Schön sein! – Oder vielleicht doch besser nicht?

schöne Frau lacht

Erfolgsfaktor Schönheit

Schön zu sein, gilt als erstrebenswert. Wer schön ist, bekommt Aufmerksamkeit und ist beliebt. Schöne Menschen erreichen scheinbar alles das, was wir uns wünschen. Sie stehen im Rampenlicht. Sie zieren Werbeplakate und Zeitschriftencover. Schöne Menschen strahlen uns als Influencer auf Social-media-Plattformen an. Sie laufen als Supermodels über die Laufstege und sind als Schauspieler auf der Leinwand zu bewundern. Schön sein ist für viele gleichbedeutend mit Reichtum, Luxus, Ruhm und Anerkennung.

Und selbst wer es nicht in die erste Riege der Superschönen schafft oder vielleicht auch nicht die Ambitionen dazu hat, findet als schöner Mensch leichter Freunde, Beachtung, Anerkennung. Schönheit ist unter den Menschen so wirkungsvoll, dass wir schönen Menschen leicht verfallen oder uns sogar von ihnen manipulieren lassen. Wer schön ist, hat es im Leben leichter. Oder nicht?

Mission: Schön sein

Aber nicht jeder oder jede wird makellos schön geboren. Zudem sind die Schönheitsideale – auch wenn es da natürlich einige evolutionsbiologische Konstanten geben mag – abhängig von den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Vorlieben. Was heute noch als schön gilt, ist es in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr – und umgekehrt.

Um in den Genuss der Vorteile des Schönseins zu gelangen oder angesichts gewandelter Schönheitsideale – oder der Auswirkungen des Alters – zu bleiben, scheuen viele Menschen weder Kosten noch Mühen:

Sie geben Geld für Cremes und Make up aus und investieren viel Zeit, um sich morgens oder vor einem wichtigen Event zu schminken und zu stylen. Sie gehen zum Friseur, um sich die jeweils angesagten Frisuren machen zu lassen und die Haare in der aktuellen Trendfarbe färben zu lassen. Männer tragen neuerdings kunstvoll in Form gebrachte Bärte. Manche verbringen Zeit im Sonnenstudio, um ganzjährig schön gebräunt zu sein.

Da zur Schönheit natürlich auch eine schöne, schlanke und gestählte Figur gehört, schwitzen viele Menschen stundenlang im Fitnessstudio an Hanteln und Geräten. Viele laufen mehrfach in der Woche lange Strecken, um schlank und fit zu bleiben oder zu werden. Nicht wenige Leute probieren ständig neue Diäten aus.

Wer mit seinem naturgegebenen Aussehen unzufrieden ist und das mit Make up, Sport, Diät und Kleidung nicht kaschieren kann, hat auch die Möglichkeit, durch plastische Chirurgie nachhelfen zu lassen.

Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Wer schön sein will, muss leiden.“

Vorsicht: Nebenwirkungen!

Welche Nebenwirkungen sollte denn Schönheit für den schönen Menschen selbst haben? Probleme bereitet doch die Schönheit eines Menschen allenfalls Menschen in seinem Umfeld, die neidisch und eifersüchtig werden oder dem schönen Menschen verfallen, oder?

Um Schönheit beten? – Besser nicht! (Juvenal, Satiren 10, 289–345)

schöner Mann in der Natur

Der römische Satiriker Juvenal warnt davor, um Schönheit zu beten. Ausgangspunkt seiner Erörterungen zu den Gefahren, die die Schönheit für einen Menschen mit sich bringen kann, ist die Bitte einer Mutter an die Liebesgöttin Venus, dass ihre Söhne und Töchter schön werden mögen (Iuv. 10, 289–291).

Doch die Erfüllung eines solchen Wunsches würde die Eltern unglücklich machen, da Schönheit und Keuschheit selten einträchtig nebeneinander existierten (Iuv. 10, 295–298). Folgende Gefahren für das schöne Kind erörtert Juvenal am Beispiel der Söhne, das jedoch wohl problemlos auch auf die Töchter übertragbar ist:

  • Ein schöner Mensch könnte trotz tadelloser Erziehung und bester Charaktereigenschaften aufgrund seiner Schönheit zum Objekt der Begierde für Verführer werden (Iuv. 10, 298–309).
  • Wer schön ist, gerät in die Gefahr, zum Ehebrecher zu werden, weil sich auch Menschen in Beziehungen zu ihm stark hingezogen fühlen (Iuv. 10, 310–318).
  • Der schöne Mensch könnte es genießen, sich für die Hingabe an andere bezahlen zu lassen, und dabei auch noch gierig werden (Iuv. 10, 319–323).
  • Wenn der schöne Mensch versucht, keusch zu bleiben, zieht er sich möglicherweise sogar den Zorn der Verschmähten zu (Iuv. 10, 324–345).

Kurzum: Nach Juvenals Ansicht gefährdet Schönheit den Charakter, die Sicherheit und die Seelenruhe eines Menschen. Daher solle man nicht danach streben.

Alles nur Übertreibung und Panikmache?

Man könnte einwenden, dass Juvenals Warnung einer Satire entstammt und mit dem echten Leben nichts zu tun habe. Auch ließe sich argumentieren, dass die von Juvenal besprochenen Gefahren sich auf die Lebenswelt im kaiserzeitlichen Rom des 1./2. Jh. n. Chr. beziehen und daher wohl nicht auf unsere heutige Zeit übertragbar seien.

Aber ist das wirklich so? Können wir es uns so einfach machen?

Moderne Gefahren

Welche Gefahren bestehen heute für schöne Frauen und Männer?

Wer schön ist, wird leicht auf sein Aussehen reduziert und in anderen Bereichen unterschätzt.

Schöne Menschen sind gefragt als Liebhaber/in, Freund/in, Beziehungspartner/in. Man umgibt sich gerne mit ihnen. Aber können diese Menschen sicher sein, dass sie als Mensch, als Person, aufgrund ihres Charakters beliebt und angesehen sind? Dass sich die anderen Leute nicht nur mit ihnen schmücken und etwas von ihrem Glanz abhaben wollen?

schöne rote Rose

Schlimmer noch: Sie werden leicht zum Objekt der Begierde und geraten unter Umständen dadurch in Gefahr, zum Opfer von Stalkern zu werden. Der Rose in Goethes Gedicht vom Heidenröslein wurde ihre Schönheit jedenfalls zum Verhängnis.

Oder etwas harmloser: Sie werden zum Objekt der Rivalität von Verehrer/innen.

Sie werden offen oder unterschwellig zur Zielscheibe des Neids der weniger Schönen. Wenn den so beliebten, schönen Menschen ein Missgeschick passiert, stürzt man sich umso lieber auf sie. Dann ernten Sie Häme und Spott, damit sich die Neider und Spötter selbst besser fühlen. Das ist allerdings nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal der Schönheit. Erfolg, Ruhm und Macht ziehen Neid genauso an.

attraktive Frau flirtet

Und es ist tatsächlich verführerisch, sich der Macht und Wirkung der eigenen Schönheit auf andere zu bedienen, um seine eigenen Wünsche zu erfüllen und seine eigenen Interessen durchzusetzen. Sei es, dass man die Mitmenschen subtil manipuliert, sei es, dass man mehr oder weniger offen Kapital aus seiner Schönheit schlägt: als Model, Influencer/in, Schauspieler/in, Geliebte/r oder Prostituierte/r.

Oder weniger „anrüchig“: Man genießt seine Wirkung auf andere, kommt in jeden Club, wird auf alle Parties eingeladen. Wird von anderen auf einen Drink eingeladen. Kurz: Man hat aufgrund der Schönheit Vorteile, die andere nicht haben. Hat es leichter als andere. Muss sich weniger anstrengen. Es kriselt in der Beziehung? Warum daran arbeiten, wenn man weiß, dass die Verehrer/innen ohnehein Schlange stehen oder man zumindest sicher sein kann, schnell wieder jemanden zu finden?

So ganz ohne Nebenwirkungen ist die Schönheit also wohl tatsächlich nicht.

Also lieber nicht schön sein, oder wie?

Ich hoffe, diese Überlegungen haben Sie nun nicht verschreckt. Schönheit ist weder schlimm noch verwerflich. Ganz im Gegenteil! Schönheit bereitet uns Menschen Freude. Zu Recht genießen wir den Anblick von Schönheit in unserem Leben, egal ob das nun die Schönheit der Natur, der Architektur, der Musik oder der Kunst ist – oder ob es die Schönheit der Menschen um uns herum ist.

Doch man muss sich die Wirkung der Schönheit bewusst machen. Wir müssen uns bewusst machen, wie die Schönheit anderer auf uns wirkt. Wir müssen uns aber auch bewusst machen, wie unsere eigene Schönheit auf die Menschen um uns herum wirkt.

Wenn Sie um Ihre Schönheit und deren Wirkung auf andere wissen, sollten Sie verantwortungsvoll damit umgehen. Sie sollten sich von Zeit zu Zeit fragen, ob das, was Sie bei anderen erreichen und bewirken, wirklich Ihrem Charakter, Ihren Fähigkeiten und Ihrer Leistung zu verdanken ist. Vielleicht thematisieren Sie das, indem Sie es offen ansprechen?

Wenn Sie Ihre Wirkung bewusst einsetzen, sollten Sie darüber nachdenken, ob die Ziele, für die Sie Ihre Wirkung einsetzen, angemessen und moralisch vertretbar sind. Haben Sie es nötig, Ihre Ziele durch den gezielten Einsatz Ihrer Schönheit zu erreichen, oder könnten Sie das auch auf andere Weise?

Für einen entspannten Umgang mit Schönheit

Solange wir nicht dem Schönheitswahn verfallen und alles nur noch der Optimierung unseres Äußeren unterordnen, ist das Streben nach Schönheit völlig in Ordnung.

Solange man als schöner Mensch nicht von der Aufmerksamkeit und Wertschätzung aufgrund seiner Schönheit abhängig ist und seine Schönheit nicht dazu benutzt, andere Menschen gegen deren eigentliche Interessen zu manipulieren, ist es absolut akzeptabel, seine Schönheit zu zeigen und die Aufmerksamkeit dafür zu genießen. Natürlich ist es auch legitim, aus seiner Schönheit Kapital zu schlagen, wenn es einen Markt dafür gibt. Was wäre ein Film ohne schöne Schauspieler, eine Werbung oder Modenschau ohne schöne Models?

In diesem Sinne: Genießen Sie die Schönheit in sich und um sich herum – bewusst und verantwortungsvoll!

Fragen und Anregungen:

  • Was bedeutet „schön“ für Sie?
    • Wenn Sie das nächste Mal einen Menschen „schön“ finden, versuchen Sie, sich bewusst zu werden, welche Attribute genau diese Schönheit ausmachen.
    • Tauschen Sie sich mit Freunden und Bekannten darüber aus, was auch Ihrer Sicht ein schöne Frau oder einen schönen Mann ausmacht.
  • Wie reagieren Sie auf schöne Menschen?
    • Machen Sie sich doch einmal bewusst, warum Sie wie auf eine schöne Person reagieren.
  • Halten Sie sich für schön? Wir wirken Sie auf andere?
    • Beobachten Sie doch einmal gezielt, wie Sie auf andere Menschen wirken.
    • Fragen Sie Ihre Freunde oder Ihre/n Partner/in, was diese an Ihnen „schön“ finden.
    • Gehen Sie einmal gezielt ohne Make up und aufwendiges Styling aus, betonen Sie Ihre Schönheit nicht. Ändert sich das Verhalten Ihrer Mitmenschen Ihnen gegenüber?
  • Hatten Sie schon einmal aufgrund Ihres Aussehens Vorteile gegenüber anderen Menschen bzw. „Konkurrenten“?
  • Nutzen Sie die Wirkung Ihrer Schönheit gezielt aus?
    • Wie fühlen Sie sich dabei?

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Allein im stillen Kämmerlein? – Drei „Sozialformen“ des Philosophierens

Bild "Die Schule von Athen" von Raphael

Manche Leute stellen sich Philosophen als einsame Denker im Elfenbeinturm der Philosophie vor. Andere dagegen haben beim Gedanken an Philosophen das Bild des Sokrates vor Augen, der auf dem Markt die Leute anspricht und mit seinen Fragen erst ratlos macht, um dann gemeinsam mit ihnen eine Antwort auf seine Fragen zu finden. Wieder andere denken, wenn es ums Philosophieren geht, an lebhafte Diskussionen mehrerer Menschen.

Sie alle haben recht. Philosophieren kann man für sich alleine, im Dialog mit einem anderen oder auch in kleineren oder größeren Gruppen. Jede dieser „Sozialformen“ hat ihre Berechtigung, jede ihre Besonderheiten, Vor- und Nachteile. In welcher Form man selbst lieber philosophiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab: den eigenen Neigungen, den äußeren Umständen, aber auch dem persönlichen Umfeld.

Im Folgenden gehe ich auf jede dieser drei „Sozialformen des Philosophierens“ detailliert ein. Dabei differenziere ich auch zwischen verschiedenen Varianten und diskutiere die jeweiligen Vor- und Nachteile. Außerdem gehe ich darauf ein, wie man jede dieser „Sozialformen“ für sein eigenes Philosophieren nutzbar machen kann.

1. Alleine philosophieren

Auch wenn es gar nicht so „sozial“ klingt, auch alleine zu philosophieren gehört zu den Sozialformen des Philosophierens.

Alleine philosophieren
Diogenes philosophiert alleine. (Ausschnitt aus Raffaels Fresko „Die Schule von Athen“)

Orte und Gelegenheiten

Alleine kann man beinahe jederzeit und überall philosophieren: auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn, auf dem Heimweg, bei einem Spaziergang im Park, einer Wanderung am Strand, in den Bergen oder im Wald,1 aber ebenso gut auch in einem Café beim Beobachten der Menschen oder in einer Bibliothek, zuhause auf dem Sofa, am Schreibtisch, abends vor dem Einschlafen, morgens nach dem Weckerklingeln, falls man noch ein paar Minuten liegenbleiben kann.

Ihnen fallen sicher noch mehr Gelegenheiten und Orte ein. Aber vergessen Sie nicht, falls Sie unterwegs philosophieren, auf Ihre Umgebung und Ihre Sicherheit zu achten!2 Sonst geht es Ihnen vielleicht wie Thales von Milet, der in einen Brunnen fiel, während er den Sternenhimmel beobachtete.3

Vor- und Nachteile

Für sich alleine zu philosophieren, bietet zwei wesentliche Vorteile: Sie können Ihre Gedanken ungestört zu Ende denken, ohne von einem Gesprächspartner unterbrochen oder abgelenkt zu werden. Sie brauchen sich auch keine Sorgen zu machen, dass Sie sich mit einem kreativen, ungewöhnlichen, aber vielleicht noch nicht zu Ende gedachten oder provokativen Gedanken oder Argument lächerlich machen oder Anstoß erregen.

Andererseits fehlt Ihnen aber auch jegliches Korrektiv, falls Sie sich in einen fehlerhaften Gedankengang „verrennen“. Auch besteht die Gefahr, sich nur im eigenen „Denkkosmos“ zu bewegen, wenn man nur für sich alleine philosophiert.

Methoden

Voraussetzung, um alleine zu philosophieren, sind neben der eigenen Neugier und einem wachen Verstand aber auch Lebenserfahrung und gewisse Vorkenntnisse in dem Themenbereich, über den man nachdenkt. Hilfreich ist es auch, wenn Sie Bücher oder einen Internetzugang zur Verfügung haben, um sich benötigte Hintergrundinformationen zu beschaffen.

Sie können natürlich einfach bloß „(nach-)denken“, also Ihren Fragen und Überlegungen nur in Gedanken nachgehen. Aber dann laufen Sie vielleicht Gefahr, Ihre Gedanken und Argumentationsgänge schnell wieder zu vergessen, sobald Sie mit anderen Dingen beschäftigt sind. Oder Sie entwickeln Ihre Gedanken quasi im Gespräch mit sich selbst, indem Sie sie laut aussprechen. Auch hier ist die Gefahr des Vergessens noch immer groß.

Besser ist es, Sie haben möglichst immer Papier und Stift zur Hand, wenn Sie philosophieren. So können Sie sich wesentliche Gedanken notieren und später leicht an Ihre Überlegungen anknüpfen. Natürlich können Sie auch digitale Medien dazu nutzen, z. B. PC, Notebook, Smartphone oder Tablet. Aber was Sie von Hand notieren, das behalten und verarbeiten Sie besser und intensiver als das, was Sie tippen. Denkbar ist auch, dass Sie wichtige Gedanken als Sprachnotiz aufnehmen. Letztendlich liegt die Entscheidung natürlich bei Ihnen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, schreibend zu philosophieren, indem Sie Ihre Gedanken nach der Methode des Free Writing in einem Journal festhalten. Sie können auch Ihr philosophisches „Selbstgespräch“ aufnehmen oder filmen.

Experimentieren Sie gerne ein wenig herum und finden Sie die Methoden, die Ihnen am besten gefallen.

Und dann?

Was Sie danach aus Ihren philosophischen Überlegungen machen, liegt bei Ihnen.

Natürlich wäre es schade, wenn Sie Ihr Philosophieren nur für sich behalten und es nicht mit der Welt teilen, aber es ist Ihr gutes Recht. Auch wenn Sie Ihre Gedanken nicht mit anderen teilen möchten, könnten – oder sollten – Sie diese aber zum Ausgangspunkt oder Bezugspunkt Ihres künftigen Handelns machen.

Sie könnten allerdings auch Ihre philosophischen Gedanken mit der Welt teilen, indem Sie Freunden oder anderen davon berichten und mit ihnen darüber diskutieren oder indem Sie sie publizieren.4

Es liegt einzig und allein bei Ihnen.

2. Dialogisch philosophieren

Die zweite Sozialform des Philosophierens ist das Philosophieren im Dialog mit einem weiteren Gesprächspartner.

Zu zweit philosophieren
Platon und Aristoteles diskutieren miteinander (Ausschnitt aus Raffaels Fresko „Die Schule von Athen“)

Orte und Gelegenheiten

Auch dann, wenn Sie zu zweit philosophieren möchten, bieten sich dazu viele Orte und Gelegenheiten an. Allerdings sollten Sie die Möglichkeit haben, ungestört – und ohne andere zustören – miteinander zu reden. Das mag zuhause sein, in einem Café, im Park oder der freien Natur, sitzend, stehend oder gehend. Ob Sie sich nun zum gemeinsamen Philosophieren vorab verabreden oder spontan losphilosophieren – alles ist möglich.

Vor- und Nachteile

Das Philosophieren zu zweit hat den Vorteil, dass die Kenntnisse, Lebenserfahrungen und Positionen beider Gesprächspartner dazu genutzt werden können, das eigene Denken gemeinsam zu erweitern und weiter zu entwickeln. Zugleich können sich die Diskutanten gegenseitig auf Denkfehler und „blinde Flecken“ aufmerksam machen und korrigieren. Gerade wenn beide Philosophierende unterschiedliche Positionen vertreten, hilft das, die jeweils eigenen Argumente zu schärfen. Im Idealfall gelangt man gemeinsam dialektisch – durch Gegenüberstellung von Thesen und Antithesen und die Auflösung ihrer Widersprüche in einer Synthese – zu neuer Erkenntnis.

Die Gefahr bei solchem dialogischen Philosophieren ist, dass einzelne Argumente und Gedanken dabei leicht „verloren gehen“, indem man sie nicht weiter entwickelt, weil man anderen folgt, oder dass man „vom Weg abkommt“. Letzteres kann jedoch auch sehr produktiv sein.

Viel schlimmer ist es allerdings, wenn einer der beiden Philosophierenden oder sogar beide versuchen, den anderen zu „manipulieren“ oder um jeden Preis Recht zu haben und das Gespräch zu „gewinnen“.

Methoden

Gebote für den Denker

Um zu verhindern, dass dialogisches Philosophieren zu einem „Machtkampf“ der Positionen wird, kann man auf Immanuel Kants Überlegungen zurückgreifen. In seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht schreibt er:

Durch die große Verschiedenheit der Köpfe, in der Art wie sie eben dieselben Gegenstände, imgleichen sich untereinander ansehen; durch das Reiben derselben aneinander und die Verbindung derselben sowohl als ihre Trennung, bewirkt die Natur ein sehenswürdiges Schauspiel auf der Bühne der Beobachter und Denker von unendlich verschiedener Art. Für die Klasse der Denker können folgende Maximen […] zu unwandelbaren Geboten gemacht werden:

1) Selbst denken.

2) Sich (in der Mitteilung mit Menschen) in die Stelle jedes anderen zu denken.

3) Jederzeit mit sich selbst einstimmig zu denken.

Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, Königsberg 1798, S. 166-167. Hier zitiert nach Wilhelm Weischedel (Hg.), Immanuel Kant, Werke in sechs Bänden. Bd. 6: Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik, Darmstadt 51983, S: 548-549

Sich in die Stelle jedes anderen zu denken, bedeutet zuallererst, den anderen verstehen und seine Position und Argumentation nachvollziehen zu wollen, bevor man sie kritisiert und verwirft. Im Umkehrschluss sollte man aber auch versuchen, seine eigene Position für den anderen verstehbar und nachvollziehbar zu machen, damit dieser die Möglichkeit hat, darauf angemessen einzugehen.

Jederzeit mit sich selbst einstimmig zu denken, heißt nicht nur, sich nicht selbst zu widersprechen – schon gar nicht um einfach Recht zu behalten, wenn es im Gespräch anders plötzlich besser passt –, es heißt wohl auch, seine Argumentation möglichst schlüssig aufzubauen.

Die gemeinsame Erkenntnis sollte das Ziel beider Diskutanten sein. Wenn dann eine Einigung trotzdem nicht möglich ist, sollte zumindest beide Argumentationen von beiden Seiten klar nachvollzogen worden sein.

Gespräche und Briefwechsel

Neben dem klassischen philosophischen Gespräch von Angesicht zu Angesicht5 darf wohl auch ein philosophischer Briefwechsel als dialogisches Philosophieren gelten.6

Gesprächspartner

Sie können sich regelmäßig mit einem festen Mit-Philosophierenden treffen, um zu vorab festgelegten oder spontan benannten Themen gemeinsam zu philosophieren. Vielleicht treffen sie sich auch mit wechselnden philosophierenden Gesprächspartnern aus Ihrem Freundeskreis oder einer Community Philosophieinteressierter. Vielleicht sprechen Sie auch spontan jemanden in Ihrem Umfeld an, wenn Ihnen eine philosophische Frage in den Sinn kommt.

Und weiter?

Diese Gespräche können Sie protokollieren oder als Ton- oder Videoaufnahme mitschneiden, um sich im Nachhinein noch einmal damit auseinandersetzen oder später daran anknüpfen zu können. Besonders „gelungene“ Gespräche könnten Sie auch publizieren: als Podcast, als Video oder als Transkript in Ihrem Blog.

Natürlich möchte nicht jeder seine Gedanken öffentlich verbreiten. Wenigstens sollten Sie einander etwas als Anregung zum Weiterdenken mit auf den Weg geben und so gegenseitig Ihr Leben bereichern.

3. In Gruppen philosophieren

Bleibt noch eine Sozialform des Philosophierens: das Philosophieren in kleineren oder größeren Gruppen, sei es nun symposiastisch oder eher akademisch. Kants oben zitierte „Gebote für den Denker“ gelten natürlich auch hierfür. Und natürlich gehe ich davon aus, dass gemeinsamer Erkenntnisgewinn Ziel aller Beteiligten ist.

In der Gruppe philosophieren
Philosophieren in Gruppen (Ausschnitt aus Raffaels Fresko „Die Schule von Athen“)

Vor- und Nachteile

Das Philosophieren in Gruppen bietet den Vorteil, dass Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Perspektiven und Ideen mehrerer Menschen in das gemeinsame Philosophieren eingebracht und auf einander bezogen werden können. Meist finden sich in der Gruppe verschiedene Standpunkte oder Argumentations- bzw. Lösungsansätze. Dadurch wird das Philosophieren umso spannender und lebhafter.

Dabei entsteht aber mehr noch als beim dialogischen Philosophieren die Gefahr, sich zu „verzetteln“ oder von der Ausgangsfrage abzukommen. Auch ist die Gefahr größer, dass sich im Laufe der Diskussion mehrere verschiedene Positionen und Argumentationsstränge herauskristallisieren, die schließlich nicht mehr miteinander vereinbar sind. Doch wirklich „schlimm“ ist auch das nicht. Die Frage ist, wie Sie damit umgehen: Ziehen Sie einen Schlussstrich und sehen diese Argumentationen als Ergebnis an? Machen Sie diese Situation zum Ausgangspunkt für eine weitere intensive Auseinandersetzung mit der Fragestellung: jeder für sich alleine und dann beim nächsten Treffen weiter gemeinsam

(a) Symposiastisches Philosophieren

Mit symposiastischem Philosophieren meine ich das informelle Philosophieren in geselligen Runden, im Sinne antiker Symposien, bei denen gegessen, getrunken und eben auch philosophiert wurde, wie es z. B. Xenophon und Platon in ihren Berichten über Sokrates schildern.

Zum symposiastischen Philosophieren zähle ich auch das gemeinsame Philosophieren unter Freunden, wie es Cicero in den Tusculanae disputationes beschreibt:

Fiebat autem ita, ut, cum is, qui audire vellet, dixisset, quid sibi videretur, tum ego contra dicerem. Haec est enim, ut scis, vetus et Socratica ratio contra alterius opinionem disserendi. Nam ita facillime, quid veri simillimum esset, inveniri posse Socrates arbitrabatur.

Das geschah aber so, dass, nachdem derjenige, der etwas hören wollte, gesagt hatte, was ihm passend erschien, ich daraufhin dagegen sprach. Das ist nämlich, wie Du siehst, die alte und sokratische Methode, gegen die Meinung eines anderen zu diskutieren. Denn so, glaubte Sokrates, könne man am leichtesten herausfinden, was der Wahrheit am nächsten komme.

Cicero, Tusculanae disputationes 1, 8.

Diese Beschreibung passt grundsätzlich sowohl auf dialogisches Philosophieren als auch auf das Philosophieren in Gruppen. Cicero schildert im Anschluss allerdings Gespräche mit mehr als zwei Teilnehmern. Deshalb ordne ich seine Beschreibung dem symposiastischen Philosophieren zu. Anders als das Philosophieren bei den o. g. griechischen Symposien fanden die von Cicero geschilderten Gespräche aber wohl tagsüber statt.

Ort und Gelegenheit

Sie können sich dazu gemeinsam mit Freunden oder philosophieinteressierten Gleichgesinnten regelmäßig oder sporadisch in nettem Ambiente treffen. Sei es zuhause, in einem Café, einer Kneipe, oder bei schönem Wetter in einem Park; sei es „nüchtern“ bei einem Kaffee oder angeregt bei Wein oder Bier.

Methode

Entweder stellen Sie jedes Treffen vorab unter ein bestimmtes Thema, zu dem sich alle Teilnehmer vorab Gedanken machen und das dann alle Anwesenden gemeinsam gründlich diskutieren. Oder sie folgen Ciceros Vorschlag: Einer der Anwesenden benennt ein Thema oder wirft eine Frage auf, die dann gemeinsam diskutiert wird.

Gerade wenn Sie sich öfter in der gleichen Runde treffen, kann es auch beim symposiastischen Philosophieren nützlich sein, wenn einer der Anwesenden Ihre Gespräche protokolliert und dieses Protokoll zu Beginn des nächsten Treffens vorliest oder elektronisch oder in Papierform an alle verteilt. So lässt sich leichter an frühere Diskussionen anknüpfen oder später darauf zurückkommen. Neu hinzukommende Mitdiskutanten können sich so außerdem leichter in die Runde hineinfinden.

Je größer die Gesprächsrunde, desto empfehlenswerter ist es, einen „Moderator“ zu benennen. Der sorgt dafür, dass die Runde sich nicht unbeabsichtigt zu weit von der Ausgangsfrage entfernt. Falls nötig, kümmert er sich auch um ein geordnetes und nicht zu hitziges Diskutieren.

(b) Akademisches Philosophieren

Unter akademischem Philosophieren verstehe ich das institutionell organisierte Philosophieren in Universitäten und Schulen in Form von philosophischen Vorlesungen und Seminaren sowie Philosophie- bzw. Ethikunterricht.7

In der Hoffnung, dass die reine „Vorlesung“ alter Art, bei der ein Professor aus seinem Skript vorliest oder einen Vortrag hält und die „Hörer“ zuhören und mitschreiben, inzwischen an den meisten Universitäten „ausgestorben“ ist und auch in Vorlesungen überall Fragen an den Vortragenden und Diskussionen im Plenum üblich geworden sind, ordne ich diese Form des akademischen Philosophierens unter das Philosophieren in Gruppen ein.

Ort, Gelegenheit und Themen

Anders als bei den bisher besprochenen Sozialformen des Philosophierens sind Ort und Gelegenheiten des akademischen Philosophierens meist institutionell vorgegeben und wenig flexibel.

Auch die Themen sind meist – zumindest grob – vorgegeben. Wenn Sie als Dozent oder Lehrer selbst Verantwortung für akademisches oder schulisches Philosophieren tragen, stimmen Sie mir sicher zu, dass es wünschenswert und bereichernd ist, den Studierenden oder Lernenden Mitsprachemöglichkeiten bei der Wahl und Ausgestaltung der Themen zu geben.

Also los! Philosophieren Sie – egal, ob alleine, zu zweit oder in Gruppen!

Diese Vorstellung der Sozialformen des Philosophierens soll Sie dazu anregen herauszufinden, wie Sie am liebsten philosophieren. Aber egal, ob Sie nun alleine, zu zweit, in kleineren oder größeren Gruppen, privat oder institutionell philosophieren, philosophieren Sie!

Bild mit Ausschnitt aus Raphaels "Schule von Athen" und dem Motto "Alleine? Zu zweit? In der Gruppe? Philosophiert!"
Alleine? Zu zweit? In der Gruppe? Philosophiert!
Sozialformen des Philosophierens

Fragen und Anregungen:

  • Philosophieren Sie lieber alleine oder gemeinsam mit anderen?
    • Beginnen Sie philosophische Gespräche mit Ihrem Partner, Freunden oder Kollegen.
    • Suchen Sie sich philosophieinteressierte Gesprächspartner in Ihrem Umfeld oder in sozialen Netzwerken und Foren.
    • Nutzen Sie Veranstaltungen wie z. B. Philosophische Cafés, um gemeinsam mit anderen zu philosophieren.
    • Kontaktieren Sie eine Philosophische Praxis oder einen Philosophischen Berater.
  • Dokumentieren oder protokollieren Sie die Gedanken, die Ihnen beim Philosophieren kommen und besonders wichtig erscheinen?
    • Schreiben Sie Ihre Gedanken auf? Nutzen Sie dazu lieber Papier und Stift oder lieber digitale Medien?
    • Nehmen Sie ihre Überlegungen als Sprachnotiz oder Video auf?
  • Beziehen Sie Ihre philosophischen Überlegungen auf Ihr eigenenes Leben.
  • Behalten Sie Ihre philosophischen Gedanken lieber für sich oder teilen Sie diese gerne mit anderen?
    • Erzählen Sie anderen von Ihren philosophischen Überlegungen.
    • Stellen Sie in einem Blog, einem Podcast oder einem Video oder in Ihren sozialen Netzwerken anderen Ihre philosophischen Gedanken vor und kommen Sie mit Ihren Lesern, Hörern oder Zuschauern ins Gespräch.

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Was Männerschnupfen mit Philosophie zu tun hat

Männerschnupfen

Der berüchtigte „Männerschnupfen“

Kennen Sie den berüchtigten „Männerschnupfen?“ Man sagt den Männern, dem sogenannten „starken Geschlecht“, nach, dass sie bei harmlosen Erkältungskrankheiten viel intensiver leiden als Frauen. Frauen behaupten dann gerne, der Mann steigere sich in die Erkältung hinein. Dabei hat die Wissenschaft festgestellt, dass Erkältungskrankheiten den Männern tatsächlich mehr zu schaffen machen.1

Und was hat das nun mit Philosophie zu tun?

Unabhängig davon, ob das stärkere Leiden von Männern an Erkältungskrankheiten nun echt oder eingebildet, ob es nun wissenschaftlich begründet ist oder nicht, stellt sich die Frage: Wie kommt es, dass „Mann“ – oder auch Frau – manchmal in widrigsten Situationen, unter größten Anstrengungen und Schmerzen Höchstleistungen erbringt und manchmal im Alltag von den scheinbar harmlosesten Zipperlein außer Gefecht gesetzt wird?

Woran liegt das? Warum geben wir manchmal schnell auf und ertragen ein andermal Schmerzen problemlos? Natürlich gibt es einige Menschen, die immer schnell aufgeben. Manche Leute sind Hypochonder und wähnen hinter jedem Schnupfen und jedem Jucken gleich eine lebensgefährliche Krankheit. Aber um die soll es hier nicht gehen. Was lässt denselben Menschen mal große Schmerzen aushalten und mal schon beim kleinsten Halskratzen wehleidig werden?

Cicero, Tusculanae disputationes 2

Cicero diskutiert im zweiten Buch seiner Tusculanae diputationes die Frage, ob der Schmerz ein Übel sei. Im Rahmen dieser Diskussion erörtert er umfangreich, wie man Mühen ertragen und Schmerzen aushalten kann.

Nun kennt er zwar noch nicht das moderne Phänomen des „Männerschnupfens“, bringt aber ein ähnliches Beispiel:

Aniculae saepe inediam biduum aut triduum ferunt. subduc cibum unum diem athletae: Iovem, Iovem Olympium, eum ipsum, cui se exercebit, inplorabit, ferre non posse clamabit.

Alte Frauen ertragen oft zwei oder drei Tage lang Fasten. Aber nimm einen einzigen Tag lang einem Athleten das Essen weg, Juppiter, den olympischen Juppiter, für den er trainiert, wird er anflehen und er wird schreien, dass er es nicht ertragen könne.

Cicero, Tusculanae disputationes 2, 40.

Gewöhnung und Motivation

Als Ursache dafür identifiziert Cicero vor allem die fehlende Gewohnheit und Übung. Die Hochleistungssportler aus seinem Beispiel mussten eben noch nie zuvor hungern, darum ertragen sie es nicht. Aber an körperliche Höchstleistungen und Schmerzen im Training und im Wettkampf sind sie gewöhnt. Sie gehören dazu, wenn man siegen will.

Cicero bringt noch weitere Beispiele für Menschen, die außergewöhnliche Anstrengungen, Entbehrungen und Schmerzen ertragen, um ein Ziel zu erreichen: z. B. Jäger, die ihrer Beute auflauern, sowie Faustkämpfer und Gladiatoren, die siegen und Ruhm erringen wollen.2

Zwei Elemente spielen hier eine Rolle:

  1. Wenn man an Entbehrungen, Anstrengungen und Schmerzen gewöhnt ist, erträgt man sie leicht.
  2. Wenn man ein Ziel hat, das man erreichen will, erträgt man die Widrigkeiten, die einem auf dem Weg dahin begegnen, leichter, weil man das Erreichen des Ziels höher bewertet als die Schwierigkeiten. Man betreibt, wenn auch oft unbewusst, Güterabwägung. (Wenn dieses Verhältnis „kippt“ und die Anstrengungen und Schmerzen subjektiv in keinem angemessenen Verhältnis mehr zu den erhofften positiven Effekten des Zielerreichens stehen, gibt man auf.)

Auf den „Männerschnupfen“ bezogen bedeutet das:

  1. Die Anstrengungen körperlicher Arbeit o. ä. machen einem nichts aus, wenn man daran gewöhnt ist. Wenn man dann aber einmal im Jahr einen Schnupfen bekommt, obwohl man sonst immer kerngesund ist, weiß man einfach nicht, „angemessen“ darauf zu reagieren.
  2. Wenn eine wichtige Deadline naht, wenn man motiviert ist, ein Ziel zu erreichen, dann lässt man sich dabei auch nicht von einem kleinen Schnupfen oder Husten davon abhalten, sondern gibt sein Bestes.

Vernunft und Tugend

Laut Cicero ist es eine Frage der Einstellung, wie wir mit Schmerzen u. ä. umgehen: Wenn wir Schmerzen und Anstrengungen, Leid und Krankheit als ein Übel betrachten, leiden wir umso mehr darunter.3

Er schlägt vor, stattdessen die Tugend als höchstes Gut und die Schande als höchstes Übel anzusehen: sich ein Vorbild an denen zu nehmen, die Schmerzen, Anstrengungen und Krankheit aushalten, ohne zu jammern, und nicht schwächer und weichlicher als diese sein zu wollen.4

Die Lösung ist also Selbstbeherrschung, die Herrschaft der Vernunft in uns über unsere Schwächen:

est in animis omnium fere natura molle quiddam, demissum, humile, enervatum quodam modo et languidum. si nihil esset aliud, nihil esset homine deformius; sed praesto est domina omnium et regina ratio, quae conixa per se et progressa longius fit perfecta virtus. haec ut imperet illi parti animi, quae oboedire debet, id videndum est viro.

Es gibt in den Seelen aller etwas beinahe von Natur aus Weichliches, Kleinmütiges, Niedriges, auf gewisse Weise Schwaches und Mattes. Wenn es nichts anderes gäbe, dann wäre nichts missgestalteter als der Mensch. Aber als Herrin und Königin über alles ist die Vernunft zugegen, die aus sich selbst heraus aufrafft und weiter fortschreitend zur vollkommenen Tugend wird. Dafür, dass diese über jenen Teil der Seele befehle, der gehorchen soll, muss ein Mann Sorge tragen.

Cicero, Tusculanae disputationes 2, 47

Es geht nicht darum, alles zu ertragen und sich selbst in Gefahr zu bringen oder zu schädigen, sondern darum, der eigenen Schwäche mit Vernunft zu begegnen. Was heißt das?

Im Falle von Anstrengung

Fragen Sie sich, ob Sie wirklich nicht mehr können oder vielleicht einfach nicht mehr wollen. Vielleicht liegt es an mangelnder Motivation? Vielleicht wissen Sie nicht, warum Sie eine Anstrengung überhaupt auf sich nehmen sollten, wofür sie etwas überhaupt tun.

Überlegen Sie: Will ich das Ziel erreichen? Ist es mir diese Anstrengung wert? Wägen Sie die Folgen, die eintreten, wenn Sie die Anstrengung auf sich nehmen, gegen die ab, die eintreten, wenn Sie es nicht tun. Wenn Sie das Ziel wirklich erreichen wollen und es für Sie, für Ihr Team oder Ihre Familie wirklich wichtig ist, dann machen Sie sich das bewusst. Dann können Sie die Anstrengung aushalten und meist sogar noch mehr schaffen.5

Und wenn Sie kein geeignetes „Warum?“ für sich finden, keinen Grund, um sich weiter zu quälen? Dann lassen Sie es sein und suchen sich etwas, für das es sich lohnt, sich anzustrengen und über seine Grenzen zu gehen!

Im Falle von Schmerzen und Krankheit

Was, wenn Sie Schmerzen haben, erkältet sind oder anderweitig krank? Wenn Sie wirklich krank sind, sind Sie eben krank! Dann sollten Sie zum Arzt gehen, sich krank melden, eventuell Medizin nehmen und sich auch auskurieren. Wenn Sie Fieber haben, gehören Sie ins Bett. Wenn etwas länger oder sehr intensiv schmerzt, sollten Sie auf jeden Fall die Ursache klären (lassen) und dem Körper die nötige Ruhe und Pflege geben, die er braucht, damit Sie schnell wieder fit sind.

Aber Vorsicht: Sind Sie wirklich so schwer erkältet, dass Sie ins Bett gehören und sich auskurieren müssen, oder läuft nur die Nase und der Hals kratzt ein wenig? Sind Sie wirklich krank oder ist das Unwohlsein oder der leichte Schmerz nur ein willkommener Grund, kürzer treten zu können?

Machen Sie sich bewusst, wie es Ihnen geht! Können Sie noch arbeiten oder gefährden Sie sich, Ihre Gesundheit oder den Heilungsprozess damit?

Schmerz und Schwäche contra Selbstbeherrschung, Vernunft und Tugend

Der „Männerschnupfen“ ist natürlich nur ein Beispiel für Situationen, in denen wir leicht dazu neigen, aufzugeben und uns gehen zu lassen. Und hier kommt die Philosophie als Lebenskunst ins Spiel: sich die eigene Situation bewusst machen und sie in Bezug zu den eigenen Zielen, aber auch in Bezug zu den Folgen eines Aufgebens oder Sich-gehen-Lassens zu setzen; bewusst und vernünftig zu entscheiden, wie man mit der Situation umgeht.

Cicero empfiehlt, in Einklang mit der stoischen Affektenlehre, als Heilmittel gegen den Schmerz und überhaupt alle Schwächen und Affekte, sich selbst aufzurichten, sich aufzuwecken, zu bewaffnen und dem Schmerz wie einem Feind gegenüberzutreten, sich außerdem nachahmenswerte Vorbilder vorzustellen und ihnen nachzueifern und sich so zu beherrschen, dass man schließlich die Schwäche besiegt.6

Hilft Philosophie nun bei „Männerschnupfen“?

Natürlich war das Beispiel des „Männerschnupfens“ für mich vor allem ein Aufhänger für den Blogartikel, der Versuch einer modernen Konkretisierung für ein antikes philosophisches Konzept. Dennoch kann Ihnen die Philosophie in zweifacher Hinsicht bei „Männerschnupfen“ u. ä. Problemen helfen, ganz unabhängig davon, welchem Geschlecht Sie sich zugehörig fühlen:

  1. Sie kann Sie dazu bringen, sich der tatsächlichen Schwere oder Harmlosigkeit Ihres Leidens bewusst zu werden und bewusst zu entscheiden, sich davon nicht umwerfen zu lassen, oder sich bewusst zu entscheiden, alles Nötige zu tun, um wieder gesund werden zu lassen, ohne sich dabei gehen zu lassen.
  2. Wenn Sie wirklich krank sind und sich auskurieren müssen, kann Ihnen das Philosophieren und die Beschäftigung mit Philosophie die Zeit vertreiben und Ihr „Leiden“ erträglicher machen.

Bleiben Sie gesund!


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Reicht es, seine Affekte und Leidenschaften zu mäßigen, oder sollte man sie ganz beseitigen?

Zitat aus Sen. epist. 116, 1 zum Thema Affekte

In der Philosophie ist immer wieder diskutiert worden, wie die Menschen mit ihren Gefühlen umgehen sollen: ob man sie zulassen dürfe, mäßigen müsse oder sogar ganz unterdrücken solle. Diese Frage ist eng verbunden mit der Rolle der Selbstbeherrschung.

Utrum satius sit modicos habere adfectus an nullos? (Sen. epist. 116)

Der römische Philosoph Seneca (ca. 1–65 n. Chr.) widmet sich dieser Frage in einem seiner Briefe an Lucilius (epist. 116) und diskutiert die Positionen der Stoa und des Peripatos dazu:

Utrum satius sit modicos habere adfectus an nullos, saepe quaesitum est. Nostri illos expellunt, Peripatetici temperant. Ego non video, quomodo salubris esse aut utilis possit ulla mediocritas morbi.

Ob es besser sei, gemäßigte Gefühlsregungen zu haben oder gar keine, hat man oft gefragt. Die Unsrigen [die Stoiker] vertreiben sie, die Peripateiker mäßigen sie. Ich sehe nicht, wie irgendeine Mäßigung einer Krankheit heilsam oder nützlich sein könne.

Sen. epist. 106, 1

Gefühlregungen – Affekte – Leidenschaften

Den Begriff adfectusAffekt‘ gebraucht Seneca nach antikem Verständnis für sämtliche Arten von Gefühlsregungen. Dagegen betrachten wir heute Affekte gewöhnlich als zeitlich begrenzte Empfindungszustände im Gegensatz zu Leidenschaften als habitualisierten Empfindungszuständen.

Die Peripatetiker verstehen unter Affekten alle seelischen Vorgänge, die mit Lust oder Leid verbunden sind, so z. B. Begierde, Zorn, Furcht, Mut, Neid, Freude, Liebe, Hass, Sehnsucht, Eifer, Mut und Mitleid. Solche Affekte sind aus Sicht der Peripatetiker naturgemäß und von sich aus weder gut noch schlecht.

Die Stoiker unterscheiden vier Arten von Affekten: Lust, Leid bzw. Unlust, Furcht und Begierde. Diese Affekte halten sie für unvernünftig und widernatürlich.1 (Darüber hinaus kennt die Stoa noch drei edle bzw. gute Affekte, nämlich den rechten Willen in Form von Wohlwollen oder Zufriedenheit, die Vorsicht in Gestalt der Ehrfurcht oder der Keuschheit sowie die reine Freude im Bewusstsein des tugendhaften Lebens.2)

Wehret den Anfängen!

Seneca argumentiert folgendermaßen: Man müsse die Gefühlsregungen sofort bei ihrem Auftreten vertreiben, weil sie sonst um sich greifen und unbeherrschbar würden (epist. 116, 2–5). Diese rigide stoische Haltung erscheint unnatürlich hart und kaum umsetzbar. Aber tatsächlich will Seneca den Menschen auch nichts verbieten, sondern ihnen vielmehr zu einem angemessenen Umgang mit ihren Gefühlsregungen verhelfen:

Noli timere! Nihil eorum, quae tibi non vis negari, eripio. Facilem me indulgentemque praebebo rebus, ad quas tendis et quas aut necessarias vitae aut utiles aut iucundas putas, detraham vitium. Nam cum tibi cupere interdixero, velle permittam, ut eadem illa intrepidus facias, ut certiore consilio, ut voluptates ipsas magis sentias. Quidni ad te magis perventurae sint, si illis imperabis, quam si servies?

Fürchte dich nicht! Nichts von den Dingen, die du dir nicht verbieten lassen willst, nehme ich dir weg. Ich werde mich nachgiebig und nachsichtig gegenüber den Dingen zeigen, zu denen du neigst und die du für notwendig oder für nützlich oder für angenehm hältst. Den Fehler werde ich wegnehmen. Denn wenn ich dir untersagt habe zu begehren, werde ich dir erlauben zu wollen, damit du jenes furchtlos und mit sichererem Entschluss tust und die Freuden selbst stärker empfindest. Warum sollten sie stärker auf dich wirken, wenn du über sie herrscht, als wenn du ihnen dienst?

Sen. epist. 106, 1

Über seine Wünsche und sein Handeln gebieten, statt von seinen Gefühlen beherrscht zu werden

Es geht also vor allem darum, die Kontrolle über seine Wünsche und Gefühle zu erlangen. Deshalb soll man das, was man sonst aus einem Affekt oder einer Leidenschaft heraus getan hätte, bewusst, gezielt und kontrolliert zu tun – nicht Sklave, sondern Gebieter einer Gefühlsregung zu sein.

Wenn man etwas aufgrund vernünftiger Überlegung will, kann und wird man es fuchtlos tun. Außerdem wird man das Vergnügen daran intensiver empfinden, als wenn man dasselbe von seinen Gefühlen und Leidenschaften getrieben – wie ein Süchtiger oder wie im Rausch – täte.3

Denn Ziel der Stoiker ist die ἀπάθεια ‚Gelassenheit‘, die Befreiung von den Affekten, um stattdessen vernunftgeleitet zu handeln. Dagegen ist das Ziel des Peripatos, in Bezug auf die Affekte das rechte Maß zu finden und einzuhalten.4 Dass das überhaupt möglich sei, bezweifelt Seneca:

Nullum est vitium sine patrociniuo; nulli non initium verecundum est et exorabile, sed ab hoc latius funditur. Non obtinebis, ut desinat, si incipere permiseris. Inbecillus est primo omnis adfectus; deinde ipse se concitat et vires, dum procedit, parat. Excluditur facilius quam expellitur. Quis negat omnes adfectus a quodam quasi naturali fluere principio?

Kein Fehler ist ohne Entschuldigung. Für jeden ist der Anfang sittsam und leicht zu verzeihen, aber von da an breitet er sich weiter aus. Du wirst es nicht schaffen, dass er aufhört, wenn du ihm erlaubt hast anzufangen. Schwach ist zu Anfang jede Gefühlsregung; dann verstärkt sie sich selbst und verschafft sich Kraft, während sie voranschreitet. Man kann sie leichter [von vornherein] aussperren als [wieder] austreiben. Wer würde bestreiten, dass alle Gefühlsregungen von einem gewissen, gleichsam natürlichen Anfang ausgehen?

Sen. epist. 116, 2–3

Beispiele

Er belegt das an zwei Beispielen, nämlich Sorge und Genuss:

Curam nobis nostri natura mandavit, sed huic ubi nimium indulseris, vitium est. Voluptatem natura necessariis rebus admiscuit, non ut illam peteremus, sed ut ea, sine quibus non possumus vivere, gratiora nobis illius faceret accessio; suo veniat iure, luxuria est. Ergo intrantibus resistamus, quia facilius, ut dixi, non recipiuntur, quam exeunt.

Die Sorge um uns hat uns die Natur anvertraut, aber sobald du ihr allzu sehr nachgibst, ist sie ein Fehler. Den Genuss hat die Natur den notwendigen Dingen hinzugefügt, nicht damit wir nach ihm [dem Genuss] streben, sondern damit die Dinge, ohne die wir nicht leben können, uns durch sein Hinzukommen angenehmer werden. Wenn er [der Genuss] aber um seiner selbst willen kommt, ist er Genusssucht. Also lasst uns ihnen [den Gefühlsregungen] von Anfang an widerstehen, weil sie leichter, wie ich schon sagte, gar nicht erst zugelassen werden, als dass sie uns wieder verlassen.

Sen. epist. 116,

Die Leidenschaften sind also durchaus natürlich und in gewissem Maße ursprünglich sinnvoll und nützlich, dürfen sich aber nicht verselbständigen. Denn sonst artet die Sorge um sich selbst und den eigenen Körper leicht in übertriebenen Körperkult, Schönheits- und Fitnesswahn aus oder aber in Hypochondrie. Der Genuss bei der Nahrungsaufnahme und der Fortpflanzung führt dann zu Völlerei, Genusssucht und sexueller Ausschweifung.

Was den Fehler bzw. das Lasterhafte an den Affekten ausmacht, ist also der Umgang des Menschen mit ihnen.

Lieben wir unsere Gefühle, Begierden und Laster?

Ein normaler Mensch, so Seneca, sei nicht in der Lage, sich einem Gefühl – wie beispielsweise Schmerz, Trauer oder Liebe – nur in begrenztem Maß hinzugeben und es kontrollieren zu können.5 Der Grund dafür ist für Seneca einfach: Anders als der vollkommene Weise ist der normale Mensch nicht in der Lage, seine Gefühle, Leidenschaften und Fehler zu mäßigen und zu kontrollieren, weil er diese Affekte in Wirklichkeit liebt und gar nicht kontrollieren will.6

Das ist doch eine sehr kühne These! Eine Begründung dafür bleibt Seneca aber schuldig wie weitere konkrete Beispiele. Überzeugt Sie Senecas Positions?

Quid ad nos?

Lässt sich Senecas Position auf unsere Lebenswelt übertragen? Können wir daraus für unsere eigene Lebensführung und unsere Persönlichkeitsentwicklung profitieren? Oder handelt es sich um eine weltfremde Idee?

Zunächst einmal müssen wir uns fragen, welche Arten von Gefühlsregungen, Affekten und Leidenschaften uns denn überhaupt betreffen: Schmerz, Trauer, Leid, Unlust, Begierde, Lust, Zorn, Furcht, Mut, Neid, Freude, Liebe, Hass, Sehnsucht, Eifer, Mut und Mitleid? Sind diese Regungen habitualisiert, sozusagen ein dauerhafter Charakterzug von uns? Oder befallen uns diese Affekte nur gelegentlich für kurze Zeit?

Außerdem müssen wir uns darüber klar werden, wie sich diese Gefühlsregungen konkret manifestieren: Lassen wir uns vom Eifer zu einer Sache so hinreißen, dass wir alles um uns herum vergessen und wichtige Dinge vernachlässigen oder uns und andere in Gefahr bringen? Bringen Wut, Hass oder Zorn uns dazu, Dinge zu tun, die wir im Nachhinein bereuen? Sind wir vor Liebe blind? Macht uns Trauer dauerhaft depressiv und handlungsunfähig? Verleitet uns Lust zu „Dummheiten“? Bringt uns unüberlegter Mut in ernsthafte Gefahr? …

Es könnte zumindest hilfreich sein, einmal „Inventur“ zu machen.

Und natürlich müssen wir uns auch bewusst werden, ob wir diese Gefühlsregungen überhaupt kontrollieren wollen? Vielleicht genießen wir es ja oder brauchen es zumindest, uns einem solchen Gefühl hinzugeben. Vielleicht hilft es uns, uns auch einmal gehen zu lassen. Meint Seneca das damit, wenn er behauptet, dass wir unsere Affekte lieben?

Haben Sie schon einmal versucht, solche Regungen zu „kontrollieren“, wie es die Peripatetiker empfehlen? Ist Ihnen das gelungen? Oder haben Sie die Erfahrung gemacht, dass es leichter ist, sich erst gar nicht auf eine solche Regung einzulassen?

Probieren Sie es aus! Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Sie damit machen.

Literaturempfehlungen:

  • Magnus Frisch, Utrum satius sit modicos habere adfectus an nullos. Seneca ep. 116 im Unterricht, in: Der Altsprachliche Unterricht 55.4–5 (2012), S. 74–83.
  • Ilse Hadot, Seneca und die griechisch-römische Tradition der Seelenleitung, Berlin 1969 (Quellen und Studien zur Geschichte der Philosophie; Bd. 13).
  • Ulrich Knoche, Der Philosoph Seneca, Frankfurt a. M. 1933.
  • Gregor Maurach, Seneca. Leben und Werk, Darmstadt ²1996.
  • Martha C. Nussbaum, The Therapy of Desire. Theory and Practice in Hellenistic Ethics, Princeton (New Jersey) 1994 (Martin Classical Lectures, New Series; vol. 2).
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Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! – Achtsamkeit, Zielorientierung und Folgenabschätzung

Achtsamkeit, so heißt es gewöhnlich, sei ein Charakteristikum des Buddhismus und habe sich über die Übernahme buddhistischer Achtsamkeitstechniken seit den 1960er Jahren in der westlichen Welt verbreitet.

Auch das Konzept der Zielorientierung scheint bei uns verhältnismäßig jung zu sein – vor dreißig Jahren stand es noch nicht einmal im Duden. Das Wort klingt zunächst einmal nach Unternehmensberater- oder Coachjargon. Aber auch im Yoga ist das Konzept der Zielorientierung bzw. Zielorientierheit offenbar ein Thema.

Der Begriff Folgenkalkulation hat es bis heute nicht in den Duden geschafft, ebensowenig die Folgenabwägung oder Folgenabschätzung. Alle drei Begriffe finden sich aber sowohl in der modernen Ethik als auch in der Rechtswissenschaft.

Achtsamkeit, Zielorientierung und Folgenabschätzung in Antike und Mittelalter

Doch so modern sind diese Konzepte auch im westlichen Kulturkreis nicht. Sie finden sich in der Bibel, der griechischen Antike und auch im europäischen Mittelalter.

So heißt es im apokryphen biblischen Buch Jesus Sirach (2. Jh. v. Chr.):


Denk an dein Ende bei allem, was du tust; dann wirst du nie etwas Unrechtes tun.

Sir 7, 40 [in anderer Zählung 7, 36] (hier zitiert nach der deutschen Übersetzung der Gute Nachricht Bibel)

Das klingt schon sehr nach Zielorientierung und Folgenabschätzung.

Beim griechischen Fabeldichter Äsop lesen wir in der Fabel Vom Fuchs und dem Ziegenbock am Brunnen in der Moral am Ende:

Οὕτω καὶ τῶν ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν, εἶθ‘ οὕτως αὐτοῖς ἐγχειρεῖν.

So müssen auch unter den Menschen die Vernünftigen die Folgen ihres Handelns bedenken, bevor sie es in Angriff nehmen.

Äsop, Fabeln. Griechisch – deutsch, hrsg. v. Rainer Nickel, Berlin 2011 (Sammlung Tusculum), S. 20–21.

Hier haben wir schon die Verbindung von Vernunft und Folgenabschätzung.

In der spätmittelalterlichen Exemplasammlung Gesta Romanorum (14. Jh.) findet sich dann der bekannte und auch heute immer wieder zitierte Spruch:

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Gesta Romanorum 103

Diese Weisheit ist extra im Versmaß des Hexameters formuliert, damit man sie sich besser merken kann, und geht vermutlich auf das Zitat aus Jesus Sirach zurück.1

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Doch was genau bedeutet dieser Spruch eigentlich?

Was steckt da alles drin?

quidquid bedeutet ‚was auch immer‘ bzw. ‚alles was‘.

agere hat ein breites Bedeutungsspektrum von ‚tun‘ über ‚hervorbringen‘ und ‚ausführen‘ über ‚vorhaben‘ bzw. ‚nach etwas streben‘ bis hin zu ‚besprechen‘ oder ‚reden‘, um nur die wichtigisten allgemeinen Bedeutungen zu nennen.

Das Adverb prudenter bedeutet ‚wissentlich‘ oder ‚absichtlich‘, ‚kundig‘ oder ‚erfahren‘, aber auch ‚umsichtig‘, ‚klug‘, ‚verständig‘ und ‚einsichtsvoll‘.

respicere heißt hier soviel wie ‚an etwas denken‘, ‚für etwas sorgen‘ oder ‚etwas berücksichtigen‘ bzw. ‚etwas beachten‘, aber auch ‚etwas erwarten‘ oder ‚erhoffen‘.

Auch finis ist mehrdeutig: Es kann in diesem Zusammenhang einerseits ‚Ende‘, andererseits aber auch ‚Ziel‘ oder ‚Zweck‘ bedeuten.

Der Imperativ respice und der iussive Konjunktiv agas2 zeigen, dass es sich um eine Aufforderung, in diesem Falle ganz konkret um eine Handlungsmaxime handelt.

Für den Lateinisch Sprechenden klingen alle diese Bedeutungsebenen in dem Vers mit. Wir werden ihm also nicht gerecht, wenn wir ihn mit einer einzigen Wendung eindeutschen, wie z. B.: ‚Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende!‘ Wir müssen deshalb alle Bedeutungsebenen in unsere Deutung einbeziehen:

Und was bedeutet das nun?

Quidquid agis heißt verallgemeinernd ‚was auch immer du tust‘ oder ‚bei allem, was du planst‘. Das heißt, diese Maxime beansprucht Allgemeingültigkeit für alle Pläne, Erwägungen oder Handlungen eines Menschen – ohne Ausnahme.

Prudenter agas bedeutet einerseits soviel wie ‚du sollst es umsichtig/klug planen und ausführen‘, andererseits aber auch ‚du sollst es bewusst planen/ausführen‘. Man soll also bei allem, was man vorhat oder ausführt, aufmerksam sein und darüber nachdenken, nichts unbewusst oder unbedacht tun, sondern sich über das Wer, Was, Wann, Wie, Wozu oder Warum Gedanken machen – eben sich auf das, was man tut oder zu tun gedenkt, konzentrieren. Nichts anderes ist Achtsamkeit. Auch die Zielorientierung schwingt hier schon mit.

Respice finem umfasst zwei Aspekte: ‚habe das Ziel im Blick‘, die Zielorientierung also, und ‚achte auf das Ende‘, d. h. die Folgen einer Handlung bzw. wohin eine Handlung führt.

Die Maxime rät also zu Achtsamkeit, Zielorientierung und Folgenabwägung bei jedem Plan, jeder Entscheidung und jeder Handlung.

Maxime: "Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!"
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! Achtsamkeit, Zielorientierung, Folgenabschätzung

Achtsamkeit, Zielorientierung und Folgenabschätzung immer und überall?

Quidquid agis

Wenn man überlegt, wie viele Handlungen ein Mensch täglich bewusst oder unbewusst ausführt und wie viele Entscheidungen er trifft, erscheint die Umsetzung dieser Maxime im ersten Moment unrealistisch. Wir brauchen deshalb ein Kriterium, um festzulegen, auf welche Handlungen und Entscheidungen sie tatsächlich angewandt werden soll. Sollten wir dafür kein geeignetes Kriterium finden, müssen wir in einem nächsten Schritt prüfen, ob und wie die Maxime wirklich allgemeingültig umsetzbar ist.

Von vornherein ausnehmen sollten wir alle die Prozesse, die durch das Stammhirn kontrolliert werden und sozusagen „automatisch“ ablaufen, wie z. B. der Blutdruck, die Reflexe oder die Atmung, auch wenn man gerade die Atmung natürlich innerhalb gewisser Grenzen auch kontrollieren kann, wie es z. B. beim Yoga praktiziert wird.

Der überwiegende Teil unserer Entscheidungen und Handlungen läuft überdies unbewusst ab, gesteuert durch Routine, Gewohnheiten und Erfahrungen. Müssten wir tatsächlich jeden Handgriff und jeden Arbeitsschritt bewusst planen und ausführen, kämen wir wohl kaum zu etwas.

Ist das mit dem quidquid agis also vollkommener Unsinn? Nein! Denn die Maxime sagt keineswegs aus, dass wir bei jeder Entscheidung, jeder Planung und jeder Handlung jedes Mal neu alles prüfen und durchdenken sollen.

Hat sich eine Vorgehensweise in einem bestimmten Kontext bewährt, wissen wir, dass sie zielführend ist, und kennen wir ihre Folgen, dann können wir diese Vorgehensweise in demselben und gegebenenfalls auch ähnlichen Kontexten anwenden. Merken wir dann, dass sie in einem ähnlichen Kontext nicht zum gewünschten Ergebnis führt oder negative Folgen nach sich zieht, müssen wir sie überdenken und für den neuen Kontext nach geeigneten Lösungen suchen. Wenn sich also eine Vorgehensweise nicht bewährt, müssen wir bewusst nach anderen Lösungsansätzen suchen, die zu unserem intendierten Ziel führen und keine oder möglichst wenige für uns oder unsere Mitmenschen unerwünschte Folgen haben.

Das bedeutet auch, dass wir einmal grundlegend unsere üblichen Handlungsweisen auf den Prüfstand stellen sollten – allerdings nicht gerade dann, wenn Entscheidungen in einer Situation schnell getroffen werden müssen, sondern vielmehr dann, wenn wir Ruhe haben und die Zielausrichtung und die Konsequenzen unserer gewohnten Handlungsweisen aus verschiedenen Perspektiven heraus durchdenken oder mit anderen besprechen können.3

Wenn wir jedoch in einer Situation, die eine Entscheidung erfordert, die Zeit dazu haben, sollten wir – wenigstens kurz und bewusst – überlegen, welche Handlungsoptionen uns zur Verfügung stehen, wie diese Optionen jeweils zu unseren Zielen passen und welche Konsequenzen daraus entstehen können. Wenn wir zwei oder drei Handlungsoptionen auf diese Weise analysiert haben, können wir diejenige auswählen, die am besten zu unseren Zielen passt und keine oder die wenigsten negativen Folgen nach sich zieht. Im Idealfall hat die ausgewählte Handlungsoptionen vielleicht sogar noch zusätzliche positive Aspekte für uns und andere.

Prudenter agas

Das prudenter agas bedeutet allerdings nicht nur, bei der Entscheidung bewusst und planvoll vorzugehen, sondern auch, bei der Umsetzung einer Entscheidung und der Ausführung einer Handlung bewusst, aufmerksam und achtsam zu sein. Nur so merke ich, ob alles so läuft, wie ich es will, oder ob sich die Situation plötzlich unvorhergesehen ändert und ich dementsprechend reagieren muss.

Daher sollten wir möglichst auch nur eine Handlung zur Zeit ausüben. Mehr kann man bewusst und konzentriert nicht leisten. Wenn ich also in einem gegebenen Zeitraum mehrere Handlungen ausführen muss, muss ich mir vorab oder währenddessen genau überlegen, wie ich diese Handlungen sinnvoll nacheinander ausführen oder aber wie ich zwangsweise entstehende Pausen bei einer Handlung sinnvoll mit anderen Handlungen ausfüllen kann, ohne dass eine oder mehrere dieser Handlungen darunter leiden.

Respice finem

Dass das respice finem mehrdeutig ist, haben wir schon gesehen. Es vereint zwei wichtige Aspekte miteinander: Zielorientierung und Folgenabschätzung.

Zielorientierung

Die Zielorientierung ist auf allen Handlungs- und Entscheidungsebenen wichtig, wenn wir uns nicht einfach so durch den Alltag und unser Leben treiben lassen wollen. Wer nicht weiß, wo er ist und wohin er will, für den ist jeder Weg gleich gut oder schlecht – er irrt so oder so herum. Nur wenn ich weiß, was ich will und wohin ich will, kann ich eine passende Handlungsoption auswählen und „richtige“ Entscheidungen treffen. Ob es nun um den Weg zu einem bestimmten Ort geht, um die Wahl eines Berufs oder Studiengangs, um das geeignete Vorgehen bei der Lösung eines Problems oder was auch immer. Ob es sich bei dem Ziel nun um Ihr Lebensziel handelt,4 ein angestrebtes Ausbildungsziel, ein Projektziel, ein Wochenziel oder ein Tagesziel.

Zielorientierung braucht Zielklarheit
Wo will ich hin? Was will ich haben? Was will ich erreichen? Wer will ich sein? Zielorientierung braucht Zielklarheit.

Folgenabschätzung

Die Folgenabschätzung sollten Sie schon in ihrem eigenen Interesse durchführen: Was passiert, wenn ich das tue? Welche „Nebenwirkungen“ kann meine Handlung haben? Will ich dieses Risiko eingehen? Und die Folgenabschätzung ist natürlich genauso wichtig in Bezug auf die Folgen Ihrer Handlungen für andere: Welche Auswirkungen hat mein Vorhaben oder meine Handlung für andere? Schade ich damit möglicherweise jemand anderem? Kann ich diese Folgen für andere wirklich wollen? Oder umgekehrt: Kann ich mit meiner Handlung nicht nur mir, sondern auch anderen nutzen?

Probieren Sie es aus!

Die Maxime Quidquid agis, prudenter agas et respice finem! eignet sich also wirklich für alle Lebenslagen und alle bewusst ablaufenden oder wenigsten bewusst planbaren und reflektierbaren Entscheidungen und Handlungen.

Halten Sie also öfter einmal inne, entscheiden Sie bewusst und gezielt, konzentrieren Sie sich auf das, was Sie tun, und wägen Sie gezielt ab, ob Sie das, was aus Ihren Entscheidungen und Handlungen für Sie selbst und andere folgt wirklich wollen!


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„Macht“ kommt von „machen“

"Macht" kommt von "machen"!
Slogan: „Macht“ kommt von „machen“. Mach was draus! (M. Frisch)

Wissen ist Macht …

Der Ausspruch „Wissen ist Macht.“ wird gewöhnlich auf den englischen Philosophen und Staatsmann Francis Bacon (1561–1626) zurückgeführt. Tatsächlich hatte er 1597 in seinen Meditationes Sacrae geschrieben:

Nam et ipsa scientia potestas est.

Denn auch die Wissenschaft [bzw. das Wissen] selbst ist Macht.

Francis Bacon, Meditationes Sacrae (1597)

Der Philosoph und Staatstheoretiker Thomas Hobbes (1588–1679), in frühen Jahren Sekretär Francis Bacons, kommt mit seiner Formulierung unserem Sprichwort noch näher:

Scientia potentia est.

Wissen [bzw. Wissenschaft] ist Macht.

Thomas Hobbes, Leviathan (1668)

Doch ist das wirklich so? Ist Wissen mit Macht gleichzusetzen? Sicherlich ist Wissen meist eine notwendige Voraussetzung für Macht, aber doch wohl alleine nicht hinreichend. Zu Recht kritisiert also der österreichische Dichter Peter Rosegger (1843–1918):

Wissen ist Macht.

Wie schief gedacht!

Wissen ist wenig,

Können ist König.

Peter Rosegger, in der Gedichtsammlung Mein Lied (1911)

Aber auch Rosegger greift noch zu kurz. Auch wenn Können über bloßes Wissen weit hinausgeht, ist es noch nicht mit Macht gleichbedeutend. Erst in der Umsetzung von Wissen und Können in konkretes Tun – in der Machtausübung – zeigt sich Macht.

Etymologie

Und damit sind wir bei der – scheinbaren – Verwandtschaft von Macht und machen im Deutschen. Sprachwissenschaftler mögen mir die kühne Etymologie verzeihen. Ich weiß, dass sie nicht stimmt: Das deutsche Wort  Macht geht wohl vielmehr über das mittel- und althochdeutsche maht ‚Gewalt, Vermögen, körperliche Kraft‘ zurück auf das gotische maghan ‚Können, Fähigkeit, Vermögen‘, abgeleitet von der indogermanischen Wurzel *magh- ‚können, vermögen, helfen‘ zurück. (Damit geht der Punkt also vorerst an Peter Rosegger.)

Macht ist demnach etymologisch ‚das Vermögen, etwas zu tun‘ – wie die lateinischen Entsprechungen potentia und potestas, das altgriechische δύναμις, das spanische poder oder potencia, das französische pouvoir und das englische power.

machen dagegen geht über das althochdeutsche mahhōn ‚bauen‘ auf die indogermanische Wurzel *mag- ‚kneten‘ und ‚etwas handwerklich verfertigen‘ zurück. (Das englische to make hat eine ähnliche Mythologie.)

Dennoch finde ich die zufällige Ähnlichkeit der beiden Wörter, die man leicht für verwandt halten könnte, sehr erhellend. Die scheinbare sprachliche Verwandtschaft ist sozusagen ein produktives Missverständnis.

Wissen – Können – Macht

Hinter der scheinbaren Verwandtschaft von Macht und machen verbirgt sich eine wichtige Erkenntnis: Macht, also die Herrschaft, Gewalt oder Verfügung über Dinge, Personen oder komplexe Situationen resultiert eben nicht etwa aus Wissen oder Fähigkeiten alleine, sondern nur aus der tatsächlichen Umsetzung von Wissen und Fähigkeiten in Handlungen bzw. Taten.

Denn ein Wissen oder Können kann niemand erkennen, wenn es nicht eingesetzt wird. Nicht einmal man selbst kann sich der Richtigkeit des Wissens oder der (Noch-)Verfügbarkeit eines Könnens, sicher sein, wenn man es nicht – zumindest gelegentlich – anwendet.

Es genügt auch nicht, einmal oder zweimal gezeigt zu haben, dass man zu dieser tatsächlichen Umsetzung fähig ist. Nein, man muss hinreichend oft durch Handeln bewiesen haben, dass man sein Wissen und seine Fähigkeiten einsetzen kann, dass man also Macht ausüben kann, um wirklich Macht zu besitzen.

Auch kann man solche Macht durchaus verlieren, wenn man sein Wissen eben nicht mehr in Handeln umsetzen kann, erst recht natürlich wenn man Wissen und Können durch Nichtanwendung – mangelnde Übung – einbüßt.

Wissen. Können. Machen!
Wissen. Können. Machen!

Was ist Macht?

Macht bedeutet aber nicht nur Herrschaft über Dinge und Menschen, politische oder militärische Gewalt, sondern eben auch im weitesten Sinne soziale Autorität und Einfluss in verschiedensten Bereichen.

Darüber hinaus gibt es nicht nur eine Macht, die man über andere ausübt, sondern auch eine Macht, die man über sich selbst ausübt. Diese Macht hat zwei Aspekte: Selbstbeherrschung oder Selbstdisziplin auf der einen Seite, Tatkraft oder die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und sein Wissen und sein Können in Handeln umzusetzen, auf der anderen Seite.

Mach was draus!

Zahlreiche Erfolgsratgeber, Coaches und Influencer betonen völlig zu Recht diesen Aspekt des Machens bzw. Tuns.

Was bringt es mir, wenn ich Wissen anhäufe, es aber niemals zu etwas nutze? (Ich rede hier nicht von der sofortigen „Vernutzbarkeit“ jeden Wissens, jenem Anspruch, dass in Schulen und Universitäten nur gelehrt werden solle, was für Wirtschaft und Industrie brauchbar ist.) Was nützt es, wenn ich eine mir gegebene Fähigkeit oder eine Fertigkeit, die ich gelernt und geübt habe, bis ich sie beherrsche, niemals einsetze? Was bringt ein solches Wissen und Können mir selbst, meinem Umfeld, der Gesellschaft, der Welt?

Was hindert uns am Machen?

Gründe für eine solche Zurückhaltung bei der „Machtausübung“, für das Nicht-Machen also, gibt es viele: Schüchternheit; Angst, zu versagen und sich zu blamieren; Antriebslosigkeit; Unsicherheit; Gleichgültigkeit; das Gefühl, nichts ausrichten und bewirken zu können; den Glauben, dass andere etwas besser wüssten und könnten … Erkennen Sie sich selbst darin oder fallen Ihnen noch andere Gründe ein?

Was soll ich tun?

Wir sollten uns – in Anlehnung an Immanuel Kants zweite Grundfrage der Philosophie1 – fragen: Wie kann ich mein Wissen, meine Ideen, meine Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen? Was kann ich damit für mich und andere bewirken – sei es im engsten Freundes- und Familienkreis, sei es in Vereinen, sei es im Beruf, sei es in der Politik? Kann ich mein Wissen an andere weitergeben? Kann ich mein Können anderen vermitteln. Kann ich mit meinem Handeln jemandem helfen? … Auch diese Reihe von Fragen lässt sich sicher noch erweitern.

Die Umsetzung des Wissens und Könnens in Handeln mag darin bestehen, ein Produkt zu entwickeln, das uns und anderen Menschen in irgendeiner Form das Leben erleichtert, oder bestehende Produkte zu verbessern; Menschen etwas beizubringen; tätig zu werden und anderen zu helfen; für Gerechtigkeit zu sorgen; ein Geschäft zu gründen und wohlhabend zu werden; dazu beizutragen, eine Krankheit zu besiegen; mein eigenes Leben zu verbessern oder die Welt – und wenn auch nur ein ganz klein wenig – zu einem besseren Ort zu machen.2

Nicht umsonst ermahnt Seneca den Lucilius (ep. 16,3), dass die Philosophie nicht auf Worten, sondern auf Taten beruhe.3

In diesem Sinne: Macht kommt von machen. – Mach was draus!

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Gefahren der Schönheit?

Wahnsinn der Liebe

Ein Sprichwort sagt, dass Liebe blind mache. Bei Heinrich Heine ist der „Liebeswahnsinn“ sogar ein wiederkehrendes Thema. So schreibt er:

Die Liebe ist immer eine Art Wahnsinn,

mehr oder minder schön …

Heinrich Heine, Shakespeares Maedchen und Frauen, Paris / Leipzig 1839, S. 224–225.

oder auch:

Liebeswahnsinn! Pleonasmus!

Liebe ist ja schon ein Wahnsinn.

Heinrich Heine, Atta Troll – ein Sommernachtstraum,  Hamburg 1847, Caput XIX (S. 101).

Auch Friedrich Nietzsche schließt sich im Zarathustra dieser Meinung an:

Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra I, 7 [KSA 4, 49]

Und natürlich hat, wer verliebt ist, immer nur Augen und Ohren für das Objekt seiner Begierde, kann an an nichts anderes denken, ist abgelenkt, hat schlaflose Nächte, möchte jede freie Minute mit dem geliebten Menschen verbringen, ist blind und taub für Kritik an ihm oder ihr …

Ja, ein wenig Wahnsinn ist der Liebe wohl nicht abzusprechen.

Anziehungskraft und Wirkung schöner Menschen

Aphrodite von Knidos
Aphrodite von Knidos – römische Marmorstatue nach einem griechischen Original aus dem 4. Jh. v. Chr. (Quelle: Wikimedia Commons, public domain)

Der Sokratesschüler Xenophon (um 430 –  355 v. Chr.) geht sogar noch einen Schritt weiter: Seiner Meinung nach sollte man sich von allen schönen Menschen fernhalten, da es nicht leicht sei, sich mit ihnen einzulassen und dabei die Kontrolle zu behalten (Xen. mem. 1, 3, 8–15).

In zwei seiner Werke führt Xenophon diese These aus, einmal in einer homosexuellen, einmal in einer heterosexuellen Konstellation:

Die Tollkühnheit, einen schönen Menschen zu küssen (Xen. mem. 1, 3, 8–15)

In seinen Memorabilien berichtet Xenophon, wie Sokrates einmal seinen Freund Kritobulos deswegen tadelt, weil dieser einen besonders schönen jungen Mann geküsst habe. Dies sei, so Sokrates, völlig unvernünftig. Denn wer sich zu einem schönen Menschen hingezogen fühle, werde zum Sklaven und verschwende Zeit und Geld, ja er tue Dinge, die normalerweise nicht einmal ein Wahnsinniger tun würde. Daher solle man, sobald man einem schönen Menschen begegne, schnellstmöglich fliehen.

Die Liebe zu einem schönen Menschen sei vor allem deshalb so gefährlich, weil sie auch auf Entfernung wirkt und in Abwesenheit des Objekts der Begierde. Wenn man einmal einer solchen Liebe verfallen sei, könne allenfalls noch eine lange räumliche und zeitliche Trennung helfen. Aber besser sei es, von vorneherein die Begegnung mit so schönen und begehrenswerten Menschen zu vermeiden.

Xenophon ergänzt diese Anekdote um den Rat: Wer nicht standhaft gegenüber den Liebesfreuden sei, solle darauf achten, sich möglichst auf nichts einzulassen, was ein seelisches Verlangen verursacht, sondern vielmehr nur den körperlichen Trieben Genüge zu leisten.1

Willenlos und sklavisch ergeben durch den Anblick einer Schönheit? (Xen. Kyr. 4, 6, 11 – 5, 1, 18 u. 6, 1, 31–36)

In der Kyrupädie, einem Werk über Menschenführung, berichtet Xenophon, wie dem Protagonisten Kyros dem Großen nach dem Sieg über die Assyrer die schönste assyrische Frau als Kriegsbeute zugeteilt wird. Er aber gibt sie in die Obhut seines Freundes Araspas, weil er fürchtet, er könne durch ihre Schönheit dazu veranlasst werden, seine Pflichten zu vernachlässigen.

Araspas macht sich darüber lustig: Es sei ganz unmöglich, dass die Schönheit eines menschlichen Wesens jemanden dazu bringe, gegen seinen Willen seine Pflichten zu vergessen. Das passiere nur schwachen Charakteren. Doch bald darauf verliebt sich Araspas selbst in diese schöne Frau, ohne dass diese versucht hätte, ihn  zu verführen. Das geht so weit, dass er versucht, sein Ziel mit Drohungen und Gewalt zu erreichen.2

Während Sokrates hinsichtlich der konkreten Folgen der Liebe zu einem schönen Menschen in Xenophons Bericht sehr vage bleibt, schildert Kyros die drohenden Gefahren etwas detaillierter:

Man kann nicht mit der Liebe aufhören, wenn man es will, ist dem geliebten Menschen sklavisch ergeben, liefert sich ihm aus und unterwirft sich blindlings. Auch opfert man Dinge, von denen man sich besser nicht getrennt hätte. Allerdings dauere es eine Zeit, bis die gefährliche Wirkung eintritt. Kyros selbst zieht daraus für sich die Konsequenz, genausowenig schöne Menschen anzusehen, wie er freiwillig in ein Feuer fassen würde.3

Xen. mem. 1, 3, 8
Sokrateszitat (nach Xenophon, Memorabilia 1, 3, 8) [Design erstellt mit canva.com]

Was ist schon dabei?

Die von Xenophon Sokrates und Kyros in den Mund gelegten Warnungen vor der Liebe oder sogar dem bloßen Kontakt zu schönen Menschen wirken nicht nur auf uns übertrieben, sondern waren auch für die Antike ungewöhnlich und provokant.

Aber in unserer heutigen Welt der Hollywoodstars, Supermodels und Social-Media-Influencer erscheint diese schönheitsfeindliche Position umso befremdlicher. Was soll denn schon dabei sein, sich schöne Menschen anzuschauen? Und überhaupt – liegt Schönheit nicht im Auge des Betrachters? Bedeutet „schön“ nicht für jede und jeden etwas anderes?

Kennen Sie Situationen, in denen Sie das Gefühl hatten, einem schönen Mann oder einer schönen Frau ganz verfallen zu sein? An nichts anderes mehr denken zu können? Sich ihm oder ihr sklavisch auszuliefern und zu unterwerfen? Dinge zu tun, die Sie besser nicht getan hätten? Dinge zu opfern, die Sie besser behalten hätten? Geld auszugeben, das Sie anders besser hätten verwenden können oder über das Sie eigentlich gar nicht verfügen? Zeit zu vergeuden? Ihre Aufgaben zu vernachlässigen?

Oder kennen Sie Menschen, die sich genau so verhalten oder verhalten haben, weil Sie einer Schönheit verfallen sind oder waren?

Ich bin immun gegen die „Gefahren der Schönheit“!

Aber auch wenn Sie oder Ihre Freunde und Bekannten im wahren Leben nicht die Kontrolle verlieren, weil Sie sich zu einer Schönheit in Ihrem Umfeld hingezogen fühlen – die Gefahren der Schönheit, vor denen Xenophon warnt, betreffen uns alle.

Erinnern Sie sich noch an Kyros‘ Freund Araspas? „Mir kann das nicht passieren! Das trifft nur schwache Persönlichkeiten!“ Und dann, mit der Zeit …

Genau über diesen Mechanismus funktioniert ein Großteil der Werbung heute: Gehen Sie wirklich nur wegen der spannenden Handlung in den Kinofilm –  oder nicht vielleicht doch auch wegen des gutaussehenden Hauptdarstellers oder der sexy Hauptdarstellerin? Kaufen Sie die Zeitschrift wirklich nur wegen des informativen Inhalts – oder nicht vielleicht doch auch wegen des hübschen Covermodels? Kaufen Sie ein Produkt wirklich nur wegen seiner Funktionalität – oder nicht doch auch wegen der tollen, gutaussehenden Darsteller in den Werbespots oder weil ein hipper, supersexy Influencer es auch nutzt? Ob Sie es wollen oder nicht, die meisten von uns werden – zumindest unterbewusst – alltäglich durch solche Mechanismen, die Gefahren der Schönheit, gelenkt und manipuliert.

Gibt es da auch was von Ratiopharm?

Nein, ein Heilmittel aus der Apotheke gibt es gegen die Wirkung der Schönheit wahrscheinlich nicht. (Fragen Sie zur Sicherheit aber gerne Ihren Arzt oder Apotheker!)

Grundsätzlich ist es ja auch überhaupt nicht schlimm, sich zu einem schönen Menschen hingezogen zu fühlen und aus Liebe auch mal Dummheiten zu machen. Tragisch ist es nach eigenem Empfinden natürlich, wenn der- oder diejenige die Liebe nicht erwidert. Aber Liebeskummer vergeht.

Gefährlicher ist es schon, wenn solch ein schöner Mensch sich seiner Wirkung auf andere Menschen bewusst ist und sie gezielt einsetzt, um andere zu manipulieren und seine oder ihre Ziele auf diese Weise zu erreichen. In diesem Falle kann man nur darauf hoffen, dass Freunde einen auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Im Falle der Werbung und der Welt der Photoshop-Beauties in den sozialen Netzwerken und den Medien, wo man ja meist nicht direkten Kontakt mit den wunderschönen Menschen hat, hilft es, vor einer Entscheidung, ob und wieviel Zeit und Geld Sie investieren wollen, tief durchzuatmen und sich bewusst zu fragen: Brauche ich das wirklich? Habe ich jetzt die Zeit dazu, mir das stundenlang anzuschauen? Will ich das wirklich tun?

Und wenn Sie sich dann ganz bewusst entschieden haben sollten, genießen Sie es – aus freiem Willen und mit allen Sinnen als Herr oder Herrin Ihrer selbst!

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Philosophari necesse est – Philosophieren tut not

Bild "Die Schule von Athen" von Raphael
„Die Schule von Athen“ (1511), Fresco von Raphael; Quelle: Wiki Commons, public domain

Philosophiert wird in Schulen nicht nur im Philosophieunterricht, sondern auch in anderen Fächern, so z. B. auch im Lateinunterricht und im Griechischunterricht. Als Philosoph und Klassischer Philologe und früherer Lehrer für Philosophie, Latein, Griechisch und Geschichte liegt mir das Philosophieren im altsprachlichen Unterricht natürlich besonders am Herzen.

Philosophie, philosophieren und  philosophische Texte im altsprachlichen Unterricht

Philosophische Themen und Texte, insbesondere der hellenistischen Philosophie und ihrer Rezeption durch die Römer, sind integraler Bestandteil der Rahmenpläne und Kerncurricula der Fächer Latein und Griechisch. Aber auch schon in den Lehrbüchern werden die Schüler mit berühmten Philosophen der Antike und ihren Lehren konfrontiert.

Bei der Auseinandersetzung mit den antiken philosophischen Texten setzen sich die Schüler zugleich mit zentralen Fragen des Lebens auseinander, die von zeitloser Bedeutung und somit auch heute für jeden einzelnen wichtig sind, so etwa Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Glück, dem „richtigen“ Handeln, Tugenden und Werten, der Freiheit u. v. a. m. Durch die Brisanz, die Aktualität und den Bezug zur Alltagsrealität der Schüler werden diese angeregt, sich aktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen, die Positionen der antiken Philosophen nachzuvollziehen, aber auch in Frage zu stellen und nicht zuletzt auf diese Weise selbst zu philosophieren. Ziel muss es sein, das philosophische Potenzial dieser Texte für das Leben der Schüler nutzbar zu machen!

Wir sollten deshalb auch im altsprachlichen Unterricht das Philosophieren als Unterrichtsprinzip verstehen, das dazu dient, das Verständnis für die philosophischen Themen der gelesenen Texte zu wecken und zu vertiefen und den Schülerinnen und Schülern so die Aktualität der Texte erlebbar zu machen und auf diese Weise die Begegnung mit antiker Philosophie für das eigene Leben und Denken fruchtbar zu machen. So lässt sich im – nach Meinung mancher ach so angestaubten – Latein- und Griechischunterricht wirklich für das Leben lernen, indem man das Philosophieren als „Kulturtechnik“ (Ekkehard Martens) oder gar „Lebensform“ (Helmut Engels) einübt.

Wichtig ist es, solche Texte für die Lektüre auszuwählen, die einerseits exemplarisch für den philosophischen Diskurs der Antike oder einer der antiken Philosophenschulen sind und andererseits möglichst auch Bezugsmöglichkeiten zur Lebenswelt der Schüler bieten. Aber auch die Auseinandersetzung mit dem Fremden und Andersartigen der antiken Philosophie lässt sich für den Unterricht fruchtbar machen.

Ziel sollte es daher immer sein, die Texte nicht nur zu übersetzen, sondern sie wirklich zu verstehen und sich aktiv mit ihnen zu beschäftigen. Dazu gehört es auch, die Schüler schon vor der Konfrontation mit den Texten für die behandelte philosophische Thematik aufzuschließen. Dafür eignen sich besonders aktivierende Einstiege, z. B. Gedankenexperimente, Rollenspiele, das sokratische Gespräch, Diskussionen, Brainstorming und anderes mehr.

Während und nach der Texterschließung und Übersetzung sollten die Schüler als erstes bemüht sein, die Argumentation des Autors im Zusammenhang gründlich zu verstehen und genau nachzuvollziehen.

Die anschließende Interpretation darf dann aber nicht bei der Dokumentation des Textverständnisses stehenbleiben, sondern muss zur aktiven Auseinandersetzung mit dem philosophischen Problem und den Thesen und Argumenten des Autors anregen. Grundsätzlich eignen sich dazu alle Methoden des Philosophieunterrichts: so z. B. Begriffsanalyse, Argumentieren, Gedankenexperiment, Textinterpretation, kreatives Schreiben und bildliches Denken u.v.a.m.

Philosophari necesse est (nach: Cic. Tusc. 2, 1)
Motto: „Philosophieren tut not“, frei nach: Cicero, Tusculanae disputationes 2, 1

Unterrichtsmaterialien

Inzwischen gibt es mehrere neuere Lektürehefte zu philosophischen Themen. Da Ganzschriftlektüren aus den verschiedensten Gründen inzwischen unrealistisch geworden sind, hat sich zu Recht der Ansatz der thematischen Lektüre durchgesetzt.

Für mein Lektüreheft für den Lateinunterricht „Philosophische Texte. O vitae philosophia dux!“ habe ich deswegen zentrale Texte von Cicero, Seneca und Horaz ausgewählt, mit Texten verschiedenster Philosophen (Marc Aurel, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche, Andreas Urs Sommer) kontrastiert und neben den typischen Aufgaben zum Textverständnis aktivierende Arbeitsaufträge zum Selbstphilosophieren – allein oder im Plenum – gestellt.

Im dazugehörigen Lehrerheft haben Fabiola Dengler und ich für die unterrichtenden Lehrkräfte nicht nur Inhaltsangaben zu den Texten und Lösungsskizzen zu den Aufgaben, sondern auch didaktische und methodische Hinweise und Anregungen zum Philosophieren mit den Schülern und eine umfangreiche Bibliographie zur antiken Philosophie, zur Behandlung philosophischen Themen im altsprachlichen Unterricht und darüberhinaus auch zur Philosophiedidaktik zusammengestellt.

Didaktisch-methodische Literatur

Die fachdidaktische Literatur zur Behandlung philosophischer Texte im altsprachlichen Unterricht ist überschaubar. Zahlreicher sind schon die publizierten Unterrichtsvorschläge zu konkreten Texten.

In meinem Aufsatz „Philosophische Text im altsprachlichen Unterricht“ gebe ich aus meiner Erfahrung als Latein-, Griechisch- und Philosophielehrer einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Anregungen für die Unterrichtspraxis.

Außerdem zeige ich in meinen Aufsätzen zur Behandlung von Xenophon, Memorabilien 1, 3, 8-15 im Griechischunterricht und von Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 116 im Lateinunterricht exemplarisch, wie eine aktive Auseinandersetzung mit philosophischen Themen im altsprachlichen Unterricht erfolgen kann.

Ausblick

Ich hoffe, dass möglichst alle Latein- und Griechischlehrer sich bei der Beschäftigung mit antiken philosophischen Texten von dem Ziel leiten lassen, ihren Schülerinnen und Schülern unter der Fragestellung „quid ad nos?“ die Relevanz der antiken Philosophie für ihr eigenes Leben und die Bedeutung des Philosophierens als „Kulturtechnik“ und „Lebensform“ nahezubringen.

Literaturempfehlungen

  • Philosophische Texte. O vitae philosophiae dux! Ausgewählt und bearbeitet von Magnus Frisch. Textband. 2., überarbeitete Auflage Stuttgart / Leipzig: Klett 2015 (96 Seiten).
  • Magnus Frisch / Fabiola Dengler, Philosophische Texte. O vitae philosophiae dux! Lehrerheft mit CD-Rom. Stuttgart / Leipzig: Klett 2016 (64 Seiten).
  • Magnus Frisch, Philosophische Texte im altsprachlichen Unterricht. In: Forum Schule. Mitteilungsblatt des Hessischen Altphilologenverbandes 58 (2011). S. 28-36. [online lesen (frei zugängliches Web-Angebot der Zeitschrift; pdf-Datei)]
  • Magnus Frisch, Utrum satius sit modicos habere adfectus an nullos. Seneca ep. 116 im Unterricht. In: Der Altsprachliche Unterricht 55.4-5 (2012). S. 74-83.
  • Magnus Frisch, Die Tollkühnheit, einen schönen Menschen zu küssen. Philosophische Ansätze bei der Textinterpretation am Beispiel von Xenophon, Memorabilia 1, 3, 8-15. In: Der Altsprachliche Unterricht 57.5 (2014). S. 42-49.

 

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