Blog – ein Medium von gestern? #blogparade #liveloveblog

Der Blog ist kein Medium von gestern. VIele Menschen schreiben und lesen Blogs.
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Ist der Blog ein Medium von gestern? Mir war gar nicht bewusst, dass Blogs inzwischen schon wieder als altmodisch gelten. Kein Wunder, ich beschäftige mich ja seit über 20 Jahren intensiv mit alten Texten und Kulturen. Ich lese gedruckte Bücher. Ich veröffentliche sogar gedruckte Bücher. Das passt es dann natürlich auch, dass ich blogge. Wenn der Blog ein Medium von gestern ist, ist er wohl für mich gerade richtig.

Aber Spaß beiseite!

Meike Leopold hat eine Blogparade ins Leben gerufen, bei der es um die Frage geht, ob Blogs und Bloggen überhaupt noch zeitgemäß sind. Anlass dazu war eine Diskussion auf Twitter darüber, ob überhaupt noch jemand Blogs liest.

Ich bin gerne dabei und schreibe über meine Perspektive auf das Bloggen und meine Erfahrungen damit.

Meine Erfahrungen mit meinem Blog

Soll ich bloggen oder nicht?

Wozu eigentlich noch Bloggen? Ist das noch zeitgemäß? Will überhaupt jemand lesen, was ich im Blog schreibe? Sind Blogs noch relevant?

Natürlich habe ich mir diese Fragen gestellt, als ich im Sommer 2018 angefangen habe zu bloggen.

Auf die erste Frage fiel mir die Antwort leicht. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre wissenschaftliche Aufsätze geschrieben, Unterrichtsmaterialien und Lehrerhandreichungen veröffentlicht und mit Kollegen zusammen sogar eine eigene Schriftenreihe ins Leben gerufen, in der ich selbst zwei Sammelbände herausgegeben hatte.

Mir gefiel die Idee, unabhängig von Herausgebern von Zeitschriften und Sammelbänden selbst entscheiden zu können, WAS ich WANN veröffentliche. Ein eigener Blog würde mir die volle Kontrolle über den Veröffentlichungsprozess geben. Über E-Mail und Social Media würde ich die Welt auf meine Blogartikel aufmerksam machen können. Erste Erfahrungen mit LinkedIn-Artikeln hatte ich auch schon gesammelt. Aber der eigene Blog, die eigene Plattform würde es mir ermöglichen, prinzipiell die ganze Welt – na zumindest alle deutschsprachigen Internetuser – zu erreichen.

Außerdem war ich damals gerade dabei, mich nebenberuflich als freiberuflicher Philosophischer Berater selbständig zu machen. Vielen erscheint Philosophie als weltfremd und abgehoben. Philosophische Beratung sagt nur wenigen was. Da würde der Blog also einerseits helfen, Klarheit über mein Verständnis von Philosophie und Philosophischer Beratung zu schaffen, und andererseits meine Bekanntheit steigern. Soweit die Idee.

Aber es war eben auch schon 2018. Die großen, etablierten Blogs waren schon seit einigen Jahren am Start und hatten eine große Leserschaft. Unzählige neue Blogs kämpften um die Aufmerksamkeit der Leser. Wie sollten die Leser überhaupt von meinem Blog erfahren? Warum sollten sie ausgerechnet meine Blogartikel lesen?

Aller Anfang ist schwer

Also habe ich alles im Internet gelesen, was ich zum Bloggen finden konnte. Und dann habe ich losgelegt. Getreu meinem Motto: „‚Macht‘ kommt von ‚machen‘. Mach was draus!“ Das war dann auch gleich einer meiner ersten Blogartikel.

Auch wenn ich jahrelange Schreiberfahrung hatte, musste ich nun allerdings umlernen. Denn der Stil wissenschaftlicher Aufsätze und Bücher ist natürlich viel zu abstrakt und unpersönlich. Wer bei solch einem Angebot an Blogs gelesen werden will, muss seine Leser persönlich ansprechen, anregend schreiben, Emotionen ansprechen. Außerdem: Kurze, knappe Sätze. Kein Fachchinesisch. …

Also umlernen. Umschalten. SEO betreiben. Und natürlich die Werbetrommel rühren!

Als ich den ersten Blogartikel veröffentlicht hatte, habe ich dann gleich alle Freunde und Kollegen darauf aufmerksam gemacht und ihn in meinen Social Media Profilen geteilt. Und dann der gespannte Blick auf die Nutzerzahlen und Zugriffe auf den Artikel. Ein kurzer Peak und bald darauf wieder nichts. Also weiter posten und abwarten.

Mein Redaktionsplan stand. Andererseits fehlte mir noch jede Routine. Familie, Arbeit, wissenschaftliche Veröffentlichungen. Sollte ich daneben nun jede Woche – vielleicht noch mehrmals – posten, um schneller und besser wahrgenommen zu werden? Konnte ich bei einer solchen Arbeitsweise Blogartikel schreiben, die meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden würden?

Ich habe mich entschieden, regelmäßig, aber in größeren Abständen längere Artikel zu posten. Und immer wieder dieselbe Routine: konzipieren, schreiben, veröffentlichen, den Artikel teilen, wo immer es nur ging, gespannt die Nutzerzahlen beobachten. …

Trotzdem tat sich nicht viel. Immerhin einzelne Likes und Kommentare unter den Artikeln. Rückmeldungen von Freunden. Also blieb ich dran. Geduldig und verdammt stur.

Irgendwann habe ich mit anderen Formaten experimentiert: kurze Zitate, meine Überlegungen dazu und Anregungen zum Weiterphilosophieren. Solche kurzen Artikel konnte ich natürlich schneller und öfter schreiben.

Erste Erfolge

So langsam wurden einige Leute auf meinen Blog aufmerksam. Und so langsam zahlte sich auch meine Geduld aus. Irgendwann nach etwa einem Jahr kamen plötzlich mehr Nutzer über Suchmaschinen auf meinen Blog, weil sie dort Antworten auf ihre Fragen fanden. Einige meiner Artikel zeigt Google inzwischen unter den ersten drei Suchergebnisse zu den entsprechenden Suchbegriffen an. Die Leute kommen und lesen. Viele bleiben, stöbern in meinen anderen Artikeln. Manche kommentieren oder liken. Einige abonnieren den Blog.

Inzwischen steigen meine Nutzerzahlen kontinuierlich. Ich bin froh, dass ich drangeblieben bin. Aber da geht noch mehr.

Bloggen ist Schreib-Denken

Ohne meine Geduld und Sturheit hätte ich den Blog wahrscheinlich irgendwann gar nicht weitergeführt. Aber zum Schreiben hat mich – neben der Hoffnung auf Leser – auch noch etwas anderes motiviert: Beim Schreiben denke ich anders. Die Notwendigkeit, meine Gedanken schriftlich so auszudrücken, dass ein Wildfremder sie versteht, verschafft mir selbst mehr Klarheit. Ich komme beim Schreiben auf neue Ideen, philosophiere anders und komme zu neuen Schlussfolgerungen.

Außerdem habe ich gelernt, was meine Leser interessiert und welcher Schreibstil bei ihnen ankommt. Ich weiß jetzt, dass es Monate oder sogar Jahre dauern kann, bis ein Blogartikel – anscheinend wie aus heiterem Himmel – plötzlich von immer neuen Leuten gelesen wird. Manche Artikel dagegen werden nur von sehr wenigen gelesen, dafür aber lange und gründlich.

Läuft! Zeit, Neues zu probieren.

Zur Zeit lesen pro Monat ein wenig mehr als 1500 Leute meinen Blog. Das erscheint zwar wenig, gemessen an den Zahlen, die man im Netz häufig liest, aber ist es das wirklich? Die meisten meiner wissenschaftlichen Artikel sind sicher auch über einen Zeitraum von 10 Jahren nicht von 1500 Leuten gelesen worden. Ganz zu schweigen von den Auflagezahlen meiner Bücher. Also 1500 Leser jeden Monat. Tendenz steigend. Mich bestärkt das, weiterzumachen. Ich habe meinen Rhythmus gefunden.

Und ich bin auch auf einen neuen Zug aufgesprungen: Podcasting. Viele Leute hören Podcasts auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport, beim Autofahren, bei der Gartenarbeit und was weiß ich, bei welchen Gelegenheiten noch. Aber natürlich finden meine Leser den Podcastplayer und die Shownotes auch in meinem Blog. Und ein paar Wochen nach Erscheinen einer neuen Episode stelle ich das Transskript auch auf meinem Blog ein. Wer also lieber in Ruhe gründlich liest, hat auch etwas davon.

Ist Bloggen noch zeitgemäß?

Marktsituation

Meiner Meinung mach ist Bloggen immer noch zeitgemäß. Es ist nur viel schwerer geworden als noch vor einigen Jahren, Leser zu finden und seinen Blog bekannt zu machen. Das liegt aber nicht daran, dass die Leute keine Blogs mehr lesen, sondern daran, dass das Angebot an Blogs riesig und schier unübersichtlich geworden ist.

„Konkurrenz“ Podcast?

Außerdem haben Blogs „Konkurrenz“ durch die immer beliebteren Podcasts bekommen. Aber eine wirkliche Konkurrenz sehe ich hier gar nicht. Vielmehr ergänzen sich die beiden Medien sehr gut. Podcasts eignen sich besonders für Menschen, die stark auditiv orientiert sind, Informationen als besonders gut und sehr gern über den Hörsinn aufnehmen. Blogs eignen sich dagegen besonders für Leute, die stärker visuell orientiert sind und Informationen vorrangig über den Sehsinn in Form von Texten, Bildern und Filmen aufnehmen.

Außerdem eignen sich die beiden Medien für unterschiedliche Rezeptionssituationen: Blogs lesen sich einfach leichter im Sitzen oder Liegen an einem nicht zu kleinen Bildschirm. Podcasts kann ich auch auf einem Smartphone sehr gut hören, egal ob im Gedränge der S-Bahn oder während meiner Joggingrunde.

Es bietet sich also an, Podcast und Blog zu kombinieren. So erreicht man verschiedene Typen von Nutzern und bietet zugleich seinen Bloglesern die Möglichkeit, den Content auch hören zu können. Außerdem zieht man durch einen Podcast, dessen Shownotes und Transskriptionen sich auf dem Blog finden, neue potentielle Leser an.

Totgesagte leben länger – Der Blog ist kein Medium von gestern

Man hat in der Vergangenheit schon verschiedenen Medien den Tod vorhergesagt: z. B. dem gedruckten Buch, den gedruckten Zeitungen und Zeitschriften, dem Radio, dem Kino, dem Fernsehen, um nur einige zu nennen. Aber alle diese Medien gibt es immer noch. Jedes davon hat seine Berechtigung. Jedes dieser Medien hat seine Anhänger. Durch die Konkurrenz durch das Internet, E-Books, Streamingplattformen, Blogs und Podcasts waren diese Medien allerdings gezwungen, sich weiter zu entwickeln.

Genauso geht es wohl auch den Blogs. Ich bin gespannt, ob und wie sich Blogs im Laufe der nächsten Jahre weiterentwickeln und verändern werden. Ist der Blog ein Medium von gestern? Sicher nicht!

Zukunft des Blogs

Zielgruppenorientierung

Wer weiß, für wen er bloggt, und seinen Content und seine Schreibweise auf diese Zielgruppe hin ausrichtet, wird auch in Zukunft Leser finden.

Klappern gehört zum Handwerk

Wer mit Ausdauer und Geduld an seiner SEO arbeitet, seinen Blog auf Social-Media-Kanälen bekannt macht und dort mit seiner Zielgruppe interagiert und zeigt, welchen Mehrwert er seinen Lesern bieten kann, wer eine E-Mail-Liste aufbaut und so Kontakt zu seinen Lesern hält, wird auch künftig gefunden und kann seinen Leserkreis sicher kontinuierlich erweitern.

Was macht den Erfolg eines Blogs aus?

Eine wichtige Frage, die wir als Blogger uns stellen sollten, ist die, woran wir den Erfolg unseres Blogs messen: Nutzerzahlen, Verweildauer, Absprungrate; Likes, Kommentare, E-Mails von Lesern; Backlinks auf anderen Websites; Bekanntheit in anderen Medien?

Jeder Blogger muss letztendlich für sich selbst festlegen, welche Ziele er oder sie mit dem Blog erreichen will.

Und je nach Thema und Nische sind unterschiedliche „Zahlen“ und „Werte“ Zeichen eines erfolgreichen Blogs.

Der Blog ist tot – es lebe der Blog!

Für mich ist der Blog kein Medium von gestern. Ich blogge weiter. Probiere weiter neue Formate aus. Reagiere auf die Wünsche meiner Leser und Hörer und meiner Kontakte in den Social Media.

Was meinen Sie? Ist für Sie der Blog ein Medium von gestern?

Wenn Sie mögen, was und wie ich schreibe, lesen Sie gerne auch andere Beiträge, abonnieren meinen Blog und empfehlen ihn weiter.

Wir lesen uns!

7 Kommentare

  1. Hallo Magnus,

    ich glaube diesen holprigen Schreibstart hatten wir alle.. Wenn ich meine ersten öffentlichen Gedanken von 2006 (damals noch bei den Microsoft Live Spaces) anschaue, dann ist das schon hochnotpeinlich.. Aber der Satz: „Beim Schreiben denke ich anders. Die Notwendigkeit, meine Gedanken schriftlich so auszudrücken, dass ein Wildfremder sie versteht, verschafft mir selbst mehr Klarheit. Ich komme beim Schreiben auf neue Ideen, philosophiere anders und komme zu neuen Schlussfolgerungen.“ passt. Auch mir kommen beim schreiben manchmal ganz neue Gedanken, fallen neue Worte ein (dazu muss man wissen, dass meine Schreibe eher satirischer Natur ist). Zu neuen Schlussfolgerungen kommen ich zwar nicht – im Prinzip schreibe ich auch eher die Schlussfolgerungen nieder, über die ich vorher nachgedacht habe, aber natürlich habe ich vorher schon ein Grundgerüst im Kopf.
    So, jetzt muss ich aber los – es gibt noch mehr neue Blogs zu „beschnüffeln“..
    Ich wünsch Dir noch viel Spass auf Meikes Blogparade..
    CU
    Peter

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    1. Hallo Peter,

      hab‘ vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. (Da habe ich natürlich gleich einmal neugierig bei nerd-o-mania.de vorbeigeschaut.) Das ist das Tolle an Meike Leopolds Blogparade. Man wird auch auf andere Blogs aufmerksam, die außerhalb der eigenen „Blase“ liegen.

      Viele Grüße
      Magnus

      +1
  2. Lieber Magnus,
    ich freue mich sehr, dass Du so spontan noch an der Blogparade teilgenommen hast. Deine Einschätzung finde ich sehr interessant. Es ist gar nicht so leicht über Themen zu schreiben, die sonst nur einen kleinen akademischen Zirkel beschäftigen. Umso größer finde ich die Leistung, komplexe Ideen und Fragen so zu formulieren, dass sie jeder auch ohne große Vorkenntnisse verstehen kann. Letztlich sollen die Erkenntnisse ja allen zugute kommen. Deshalb würde ich mich auch freuen, wenn in Zukunft noch mehr Wissenschaftler wie Du bloggen würden.
    Weiterhin viel Erfolg und herzliche Grüße
    Rebecca

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  3. Toller und interessanter Beitrag! 🙂 Ich hatte vor zwei jahren einen Blog, habe 1,5 Jahre einen Blog, habe dann aber Lust und Motivation verloren und das Schreiben als solches machte mir auch keinen Spaß mehr, dann folgte ein halbes Jahr später eine kleine Phase des für mich Probierens etc. und jetzt bin ich wieder beim Bloggen dabei, alles neu und bin mal gespannt, wie es so läuft. Ich bin extrem ungeduldig und erfolgsorientiert und will immer etwas für meine Leistung sehen, als z. B. einen Kommentar, ein Like etc. anstatt einfach keine Reaktion. Aber an dieser Erwartungshaltung bzw. dem Druck arbeite ich, denn ich finde auch einen Blog die perfekte Abwechslung zu Twitter Threads oder Instagramstorys und hoffe, dass dieses gefühlte Aussterben von Blogbeiträgen wieder zurückkommt, denn im Medium steckt weiterhin so viel Potential 🙂 Danke dir auch für deine ehrliche Offenheit zu deinem Weg!

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    1. Danke für Deinen Kommentar, Nadine! Ich glaube, Bloggen ist eher Marathon als Sprint. Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg beim Bloggen und schaue gleich mal auf Deiner Seite vorbei. 🙂

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